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Generation Beziehungsunfähig.

„Wir befinden uns in einem anhaltenden Zustand der Selbstoptimierung. Wir wissen, dass alles noch viel besser werden kann. Bis es perfekt ist. Das Problem mit dem Perfekten ist allerdings, das man diesen Zustand nie erreicht. […] „Das eigene „Ich“ ist unser großes Projekt. Wir sind mit uns selbst beschäftigt. Wir werden zu unserer eigenen Marke. Uns beschäftigt die Frage, was unsere Individualität am treffendsten versinnbildlicht. Wir modellieren unser Leben. Wir arbeiten an unserer Karriere, an unserer Figur, und daran, unseren Traumpartner zu finden, als wäre unser Leben ein Katalogentwurf, dem wir gerecht werden wollen.“ Michael Nast – Generation Beziehungsunfähig

Manche Menschen sagen, dass Glaube feige und dumm ist. Und man mache sich damit alles einfacher. Das habe ich nie verstanden. Für mich ist Glaube eine unglaubliche Herausforderung. Auf etwas vertrauen und etwas annehmen, von dem man gar nicht weiß, ob es tatsächlich so ist, weil es keine Beweise dafür gibt, das ist ganz und gar nicht einfach. Da frage ich mich dann, die Menschen, die Glaube naiv finden, wie die wohl darauf reagieren, wenn jemand ihnen sagt, dass er sie liebt. Glauben die das dann? Oder fordern die erst einmal Beweise? … Melliteratur

Realität ist ein schwammiger Begriff. – Bodenständigkeit und Abgehobenheit so naheliegend ineinander greifend. Die Krone unseres Geistes ragt so unvorstellbar weit über unsere eigentlichen Grenzen hinaus. Bei all diesen Verschmelzungen von Realitäten und “Utopien” ist es grundsätzlich wichtig zu wissen wo die eigenen Wurzeln verankert sind und an welcher Quelle wir uns nähren. Unsere Äste und Blüten können stetig in das Licht sprießen, welches unseren Geist nährt und weitere Impulse bringt. Doch wir selbst dürfen uns nicht unseres eigenen Wesens dissoziieren, sollten dem Möglichen treu bleiben und uns nicht in Träumen verlaufen.

Der Freund hört genau hin, was mich im Innersten bewegt. Er hört sich in mich hinein, um zu entdecken, was die Grundmelodie meines Lebens ist, er nimmt wahr, wo und wie mein Leben zum Schwingen und Tönen kommt. Er spiegelt mich und erinnert mich an das, was ich im Tiefsten bin. Seine Aufgabe ist also mehr, als mich nur zu verstehen und mehr als nur bei mir zu stehen. Er nimmt vielmehr die Melodie meines Herzens in sich hinein, um sie dann wieder neu zum Klingen zu bringen, wenn sie in mir verstummt ist. (Ein Brief von) Anselm Grün

Die Sprache soll über Skalen der Musik verfügen. Der Dichter soll immer, in allen Fällen, des lebendigen Wortes mächtig sein, das mir die Sache erzählt, das meine Seele durch seine Treffsicherheit bis hin zum Jammer verletzen kann. Das Wort kann in Farbe, in Laute, in Gerüche verwandelt werden. Aufgabe des Dichters ist es, das Wort so zu verwenden, dass es wirkt, dass es nie versagt und nie abprallt. Man soll sich in der Wortfülle tummeln und austoben können; man soll nicht nur die unmittelbare, sondern die heimliche Macht des Wortes kennen und verstehen. Es gibt Ober- und Untertöne in Wörtern, und es gibt Nebentöne. Knut Hamsun (1859-1952)

“Wenn Worte überflüssig werden,weil der Augenblick bis an den Rand mit Sinn gefüllt ist,beginnt das Leben unwiederstehlich von sich zu erzählenund führt uns mitten hinein in faszinierende Geschichten – wenn wir nur lauschen.” Hans Kruppa

Manchmal ist die Zukunft eine schreckliche Sache. Doch sie kommt, ohne Mitleid mit den Feiglingen dieser Welt – man kennt sie ja. Schon mit der Gegenwart kommen sie nicht klar, und um nicht allzu dicht an dieses vertrackte Leben heran zu müssen, haben sie das ‘so tun als ob’ erfunden: Sie tun den lieben langen Tag so, als ob sie gerne arbeiten würden, sie lachen über schlechte Witze, als ob es gute wären, und heucheln Interesse, Begeisterung, Verständnis, Liebe. Und wehe, einer simuliert hier nicht! Schließlich ist das ‚als ob’ der Klebstoff, der unseren Alltag zusammen hält: Anstand, Takt, gutes Benehmen, Pragmatismus, Contenance. Als ob. Also ob. Als ob. J. R. Moehringer  “Tender Bar”

“Mit jedem Ereignis, das einen tief berührt, verliert man ein bisschen seine Unbeschwertheit. Ich glaube, dass man nach einiger Zeit nicht mehr so viel Kind ist, wie man es mal war. Aber ich glaube auch, dass einige Menschen nie ganz erwachsen werden. Dass der Vorrat an Kindheit für sie fast unerschöpflich ist. Ich hoffe, ich gehöre zu ihnen. Und ich hoffe, dass sich die Menschen, denen ich im Laufe meines Lebens begegne, an mich erinnern. Dass ihre Gespräche mit mir nicht beliebig und oberflächlich sind, sondern dass ich ihnen etwas geben kann und wenn es nur ein flüchtiges Lachen ist. Sie sollen denken, ich verstünde sie aus ganzem Herzen, auch wenn sie mich niemals verstehen werden.” Zitat :: Generation Geil – Elisabeth Foto :: Sascha Gawrilow, 1982 in Frankfurt/Oder

Es gibt sie, die Menschen, die nie davon geträumt haben, dass Artax nicht im Moor versinkt, die Menschen, die niemals Monster unter dem Bett hatten, die nicht mit Becher bewaffnet an der Tür horchten, ob das Christkind kommt, die immer gesagt haben, das Wrestling kein Sport und Super Mario kein Held ist, die Menschen, die glauben, dass man Geister nur mit Psychopharmaka und Therapien besiegen kann. Die Menschen, die sagen, dass Gegensätze sich anziehen und dass das Ziel ist, reif und erwachsen zu sein. Es gibt sie, diese Ahnungslosen. via MisterGambit

Natürlich gibt es sehr viele Menschen, denen das Leben leichter fällt und die scheinbar oder wirklich “glücklicher” sind; es sind die nicht stark Individualisierten, die keine Probleme kennen. Sich mit ihnen zu vergleichen hat für uns andere keinen Sinn; wir müssen unser eigenes Leben leben, und das bedeutet etwas Neues und Eigenes, immer Schwieriges und auch immer Schönes für jeden Einzelnen. Es gibt keine Norm für das Leben, es stellt jedem eine andere, einmalige Aufgabe, und so gibt es auch nicht eine angeborene und vorbestimmte Untauglichkeit zum Leben, sondern es kann der Schwächste und Ärmste an seiner Stelle ein würdiges und echtes Leben führen, und anderen etwas sein, einfach dadurch dass er seinen nicht selbstgewählten Platz im Leben und seine besondere Aufgabe annimmt und zu verwirklichen sucht. Hermann Hesse (via alfsaga)