Alle Artikel mit dem Schlagwort: wortsplitter

Spuren im Schnee.

Einen Fuß locker auf das Knie des anderen Beins gelegt, sitze ich schweigend in der Nacht. Unter meiner dicken Mütze spielen die Gedanken Melodien in meinem Kopf und wechseln sich damit ab, mit ihrem eigenen Soundtrack zwischen gestern, heute und morgen die kalte Nacht zu durchbrechen. Die Luft vor meinen Augen kristallisiert sich mit jedem Atemzug. Wie ein Kaleidoskop bricht sich das Licht des Mondes in meinem Atem und taucht den Boden vor mir in ein Lichtspektakel wie in 1001 Nacht. Um mich herum fällt kleiner, weicher Pulverschnee. Nicht viel. Gerade genug um im Licht des Mondes und der Straßenlaternen zu tanzen. Der Platz vor mir ist weiß. Keine Spuren im Schnee. Kein Mensch hat bisher die Schneefläche betreten. Es hat etwas erhabenes in diesem Moment hier anwesend zu sein. Zu sehen wie schnell etwas auf so natürlicher Art und Weise verschwinden kann, wie die Vergänglichkeit in einem Zeitraffer. Wo vor zehn Minuten noch ein Platz war ist jetzt eine kahle, kalte, Zentimeter hohe Decke aus feinsten Eiskristallen, in der der Schall sanft unterzugehen scheint …

Nah der Sehnsucht.

Ich spüre den Wind auf meiner Haut. Er ist noch frischer hier am Fluß als in den kühlen Gassen der grauen Stadt. Doch das Sonnenlicht ummantelt noch warm die ersten Vorboten des nächsten Winterzyklus. Ich erwische mich dabei wie ich lächelnd meine Augen schließe und in mir Sehnsucht aufsteigt. Eine Sehnsucht die mich traurig und zugleich hoffnungsvoll werden lässt. Spüre wie sich eine Träne ihren Weg über meine Wange bahnt. Jedoch verschwende ich diese nicht in Traurigkeit, weil mir mehr als bewusst ist, in diesem Moment allein am Ufer dieser Schönheit zu stehen. Ich höre dem Rauschen des Flußes zu, wie es dem Leben gleicht, wie es ohne Pausen Episoden der Lebendigkeit erzählt. Ich atme tief den Duft dieses Augenblicks. Rieche den frühen Herbst, schmecke Salz in der Luft. Ich schenke diesem mich ganz und gar umgebenden Rauschen meine Träne, verschwende sie nicht an Hoffnungslosigkeiten. Sonnenstrahlen blitzen durch die schweren Wolken, die tiefgrau unermütlich darauf bestimmt sind das reine Blau des Himmels verdecken zu wollen. Der noch übrige Sonnenglanz berührt meine schweren Augenlider. Sie kitzeln …

Dazwischen.

Ich sehe den Nebel über den Feldern. Sehe das braune Gras unter meinen Füßen. Sehe das Fallen der Blätter an den Bäumen. Sehe das Grau oben am Himmel. Ich schaue dazwischen. Ich lausche den Liedern der Vögel. Lausche den Kinderfreuden aus dem Dorf. Lausche den Melodien ferner Kulissen. Lausche den Klängen dieser Gegenwart. Ich lausche dazwischen. Ich spüre die Morgenfrische an meiner Nasenspitze. Spüre den Morgentau an meinen Fingern. Spüre meinen pochenden Herzschlag. Spüre tief meine Menschlichkeit. Ich spüre dazwischen. Ich sehe, höre, spüre, in aller Stille. Das Dazwischen verbindet eine Dankbarkeit. Zwischen Vergänglichkeit und Sehnsucht. Zwischen Himmel und Erde allen Seins.

Nebel unter meinen Füßen.

In den frühen Morgenstunden, wenn der Nebel langsam sanft seine Bahnen über den noch kalten Boden zieht, suche ich oft diese Weichheit der Worte, um all die formlosen Gedanken in einen Ausdruck zu weben, der jene Momente in ein Bild setzen könnte, welcher nur ansatzweise die Farben meines Herzschlags zu vermitteln vermag. Dieses Jetzt fühlt sich immer wieder neu und unerforscht an. Ganz anders als die Erinnerung an das Gestern nach dem Vorgestern oder das Glauben an Morgen. Ich finde mich wieder in einer Welt voller neuer Perspektiven. In einer neuen Welt in diesem Altbekannten, mit ganz neuen Gewichtigkeiten. Manchmal, wenn er mir ganz bewusst wird, dieser Zustand der Veränderung, fühle ich mich irgendwie verloren. Suche dann orientierungslos meine Ziele im dichten Dunst. Und kurz bevor die Panik in mir aufsteigen will lasse ich mich auffangen, lasse mich auffangen von meinem Bewusstsein, welches stetig versucht mich beschützend in dieser Gegenwart zu halten. Ich löse mich aus der krampfhaften Suche nach Worten und Artikulationen. Rieche einfach nur die frische Luft des Morgens, spüre den kalten Nebel …

Postkarte aus dem Augenblick.

Während der Blick schweigend auf dem See liegt, atme ich die Ruhe ein. Friede macht sich in mir breit. Friede so glatt und in der Ruhe liegend, wie die glänzend schimmernde Wasseroberfläche unter der warmen Sonne, die das tiefe Blau des Himmels hell mit ihrem Licht überstrahlt. Mir wird bewusst, dort spiegelt sich das Leben. Zu manchen Zeiten ist es ruhig, sanft in seiner Bewegung und doch kann es augenblicklich Wellen schlagen. Kreise ziehen und an die Ufer schlagen. Und das wird es, ganz bestimmt. Ich fühle mich bereit und doch lasse ich mir nicht die Ruhe des Augenblicks nehmen, zu gegebener Zeit, die kommenden Stürme zu meistern. Vielleicht habe ich jetzt einen entspannten Landgang, doch bin ich bald wieder der Kapitän meines Bootes und werde den Kurs über die tosenden Wellen des Lebens, jenseits dieses Sommers, halten. Der Blick verweilt in dieser Schönheit, während die Gedanken lebendig in die Ferne schweifen. Schaue hoch ins Himmelszelt, will dieses prächtige Licht einfangen. Unten am Boden erblicke ich manch glänzende Perle dieser Faszination im Augenblick. Sie lässt …

Zeilen an einen Freund.

Der Tanz in die Schwebe sollte Grundlage unseres Lebensverständnisses werden. Einfach step by step losgelöst von allen Lastern, dahin tänzelnd, aufsteigend und schwebend, weit hinaus in die Träume, um fliehen zu dürfen aus manchem Sog von Missverständnissen und Verpflichtungen. Ganz ohne befürchten zu müssen einen Fehler zu begehen, ohne Angst zu haben daraufhin alles zu verlieren. Oder vielleicht stelle ich mich hin und wieder, nicht ganz zu Unrecht, der Herausforderung alles loslassen zu wollen, um eben diesen Fehler zu riskieren, alles zu verlieren und die Kontrolle auf der Strecke zu lassen, weil am Ende vielleicht doch der Sinn darin besteht, sich freizumachen von all diesen Fragezeichen, den nicht klar ersichtlichen Antworten und scheinbaren Fortschritten auf unseren Lebenswegen. Ist es das Risiko wert? Birgt Verlust nicht irgendwie auch gleich Gewinn? Würden wir es nicht anders machen, wenn wir heute wüssten, dass morgen dennoch alles gut ist? Setzten wir doch am Ende dieses Satzes einfach ein Ausrufezeichen: Wir könnten und können! Und ich weiß – nein – ich bin mir ganz sicher, dass wir irgendwann die Kraft …

Gedanke zum Geburtstag.

Heute ist mein 36. Geburtstag und ich bin umhüllt vom warmen Kerzenlicht, zwischen knisterndem Geschenkpapier und dem zarten Duft des heißen viel zu süßen Kakaos. Dazwischen finden sich die Gedanken zusammen und resümieren das vergangene Jahr. Es wird mir wieder bewusst, wie viel doch schon von dem geschafft ist, was einmal nur utopische Fantasien zu seien schienen. Welcher Weg schon zurück gelegt ist, seit ich begann los zu gehen. “Alles ist möglich, wenn Du nur willst!” Doch trotz des starken Willens, verließ mich schon so oft der Mut und die Kraft, um wirklich am Glauben festzuhalten, manches Ziel realisieren zu können. Doch immer wieder, wenn meine Gedanken und Emotionen drohen mich zu schwächen, finden stärkende Worte in mein Ohr oder erreichen mich Hände die mich halten. Dafür bin ich dankbar. Dankbar für die Menschen, die mich im Alltag begleiten. Für jene, die voller Überraschungen sind. Für diese, die manch dunkle Zeit mit einem kleinen Funken wieder zum lodern bringen. Dankbar für die Menschen, die mir bis heute beiseite standen und noch stehen werden. Danke für …

Balanceakt.

Ich stehe dort am Bahnhof jener Stadt, die mich nicht ganz heimatlos existieren lässt. Blicke hinunter auf Gleise, an deren Enden vielleicht ungeahnte Grenzenlosigkeiten oder unzählige Irrgärten stehen. Versuche dabei krampfhaft die Balance zwischen dem lebendigen Moment und einer ständigen Zukunftsangst zu halten. Der Wind eines durchfahrenden Zuges zieht an meiner Nase vorbei und scheint mich loslösen zu wollen aus diesen Bedenken. Gebe vor nicht zu wissen, wo ich enden werde und verdränge es doch nur in Sehnsüchten. Mein Gepäck im Geiste wiegt eine efühlte Tonne, doch empfinde ich im gleichem Zuge, in Gedanken daran, was mich alltäglich unerwartet erwartet, eine gewisse Leichtigkeit. Diese Naivität betäubt die vorherschende eschwerlichkeit. Die Wolken unter dem grauen Firmament färben sich in ein dunkles Schwarz. Meine Lungen füllen sich mit der frischen Abendluft des nahenden Herbstes, welche auf ihrem Weg noch den Spätsommer streift und helle Erinnerungen mit sich bringt die sie sanft in mich legt. Es fühlt sich an, als wolle sie ganz tief in mir die glimmende Glut entfachen, die dieses Feuer zum lodern bringen kann, welches …

Freier Fall.

Wenn dies das “wahre” Leben ist, in dem ich mich gerade befinde, frage ich mich doch in manchen dieser Momente, warum ich mich so oft habe abbringen lassen von meinem Weg, irren lassen von diesen falschen Dingen. Es droht uns das Fallen zu verlernen und das wirkliche Vertrauen zu verlieren, weil wir viel zu oft, immer nach Halt suchend, fast blind, an Unbeständigem festhalten wollen. Jedoch erst nach dem freien Fall landen wir dort, wo wir auch wirklich hingehören. Das lernen wir jedoch erst, wenn wir unsere Splitter wieder mühevoll zusammen gekittet haben. (Aus dem Notizbuch)

Physis.

Während mir die Sonne warm ins Gesicht scheint werde ich abermals von einem Traum hinweg gerissen. Eine Melodie ertöntsanft in meinen Ohren und ein betörender, aber nicht aufdringlicher Geruch umspielt meine Sinne. Ich sehe verschlungene Farben in vollendeter Harmonie. Gleißend goldenes Licht spielt auf einer Wiese und vertreibt Schatten und Kälte. Mein Herz ist erfüllt von Wärme und Licht. Die Melodie definiert sich deutlicher und ich bemerke, dass es die Melodie meines Lebens ist. Ich bin Teil von längst vergangenen Zeiten, gegenwärtigen Zeiten und zukünftigen Zeiten. Der Wind der Zeit weht unaufhaltsam. Ich berausche mich an der vollkommenen Schönheit dieses Ortes, beneble mich an seiner Herrlichkeit. Obwohl dieser Ort nur in mir existiert, merke ich doch deutlich, dass auch ich ein Teil von ihm bin. Diese Welt ist eine virtuose in sich geschlossene Harmonie, unübertrefflich und fehlerfrei in ihrer Anmut. Sie empfängt mich mit ihrer Herzlichkeit und in ihr finde ich Vertrauen und Geborgenheit. Diese Welt ist voller Ruhe und Besinnlichkeit. Auf sattgrünen Wiesen entfalten mannigfarbene Blumen ihre volle Schönheit und Bäume schaukeln im Wind …