Alle Artikel mit dem Schlagwort: thüringen

440 Kilometer Heimat per Pedale.

Meine erste mehrtägige Radwanderung absolvierte und erlebte ich vom 01. Juli bis zum 08.Juli 2016. Auf der 7-Tage-Tour ließ ich mich auf den insgesamt zurückgelegten knapp 440 km bei Wind und Wetter von der Vielfältigkeit unseres schönen Thüringer Landes verzaubern. Mit Rad, Zelt und meinen Gedanken im Gepäck, vor mir liegend der Weg, hinter mir, Kilometer für Kilometer, mehr und mehr wunderschöne Eindrücke die in mir auf dieser Reise zurück blieben. Es sind diese Momente während der Tour, wie auch ganz besonders das zur Ruhe kommen am Ende einer jeden Tagesetappe, welche erkennen lassen, dass sich jegliche Anstrengung und Herausforderung lohnt auf sich zu nehmen. Festzustellen, dass es doch das schönste ist, gerade jetzt hier zu sein und Heimat im Herzen zu spüren. Glücklich zu sein, diese Erfahrungen zu (er-)leben. Hier nun ein kleiner Reisebericht. Die Vorbereitung Grobe Tourplanung und „Bikepacking“ 1. Tagesetappe, 01. Juli 2016: Gera nach Hohenfelden (ca. 90 km) Die weitere Route führt mich dann in unsere wunderschöne Landeshauptstadt Erfurt, in der ich die Städtekette Richtung Kranichfeld – Hohenfelden verlasse, nachdem ich …

Burg Posterstein im Abendlicht.

Seht nur dieses Gold des Sommers. Die Luft ist still, als atme man kaum. Melodien von Farben entfalten sich inmitten dieser Sommerhitze, geben dem Herzschlag einen neuen Takt. Ich atme tief, blinzel in den Glanz der Sonne. Alles und jede Begegnung fusionieren zu einem Tag, finden zusammen zu einem Gebilde. Das Leben ist gut, es ist bunt und es ist unsere Zeit. Romantischer Sonnenuntergang mit Blick zur Burg Posterstein, Thüringen Solch ein wundervoller warmherziger Ausklang zur heutigen Radtour. In der Ferne – wie sinnbildlich – ein Gemälde der Losgelöstheit, gezeichnet vom Augenblick in einem stillen Moment. Nun ist es dunkel, nur noch das Zirpen aus den Gräsern und das Quaken vom nahen Wiesenteich ist unter diesem klaren Sternenhimmel zu hören. Sie werden zu Melodien die mich treiben lassen, ein bisschen näher hin zu den funkelnden Sternen… Da bleibt nur noch zu sagen: Gute Reise durch diese Nacht in den neuen Morgen. Ich bleibe noch ein wenig sitzen, inmitten dieser Schönheit und Sentimentalität. Schweige. Text & Fotografie: © 2016 Sascha Gawrilow

Unterwegs mit meinem Rad auf dem Elsterperlenweg.

Wenn ich auf dem Sattel meines Fahrrads sitze wird jeder Weg zu meinem. Ich setze mich einfach darauf und breche auf, trete in die Pedale und ruck zuck bin ich an der nächsten Straßenecke und an der übernächsten und dann auf einmal in ganz anderen Welten, weit vom Stadtrand entfernt, die mich schweigen und durchatmen lassen. Manchmal, wenn ich so fahre, frage ich mich, wie weit wir schon gefahren sind, wie weit wir noch kommen würden. Und manchmal gibt es einen Zeitpunkt auf meinem Rad, an dem es mich auf eine ganz besondere Art und Weise verzaubert: Dann fahre ich durch Felder, über Hügel, Berge oder durch endlos weite Landstriche und habe dabei nie das Gefühl, allein zu sein. Die Zeit die ich auf meinem Rad verbringe ist oftmals tröstlich. Ganz besonders in den Momenten, in denen wir so vielen Leute begegnen, neben ihnen herfahren, sie überholen oder ganz plötzlich immer neue Orte finden. In solch vielen Stimmungen hat es mich schon getragen. Der Gedanke ist tröstlich, dass mein Rad im Keller steht, mir immer …

Amadeus.

Wie viele andere Menschen habe auch ich schon einiges an Erfahrungen auf meinem Lebensweg machen können. Doch zu einem der tiefgehensten und horizonterweiterndsten Erfahrungen in meinem bisherigen Werdegang zählt noch bis heute das heilpädagogische Reiten. In der Reittherapie lernte ich nicht einfach nur das Reiten, sondern vor allem mich selbst darin zu erleben, mir näher zu kommen, mich zu geben, wie ich eben bin.  “Denn wir können erst wirklich erfahren, was Freiheit ist, wenn wir unsere eigenen Grenzen kennen, diese akzeptieren und sie in unserem Leben zu berücksichtigen lernen. Denn nicht die Grenzen sind es, die uns von der Freiheit trennen, sondern die Ignoranz unserer eigenen Fehler.“ Ich las einmal irgendwo, es muss wohl in so einer Art Fachblatt für Pferdeliebhaber gewesen sein: „Das Pferd ist der Spiegel deiner Seele.“ Meine damalige Therapeutin erklärte mir, ich könne dem Pferd nichts vorspielen, was ich selbst auch nicht sei. Ich bekäme es nicht gezügelt so lange ich nicht bei mir selbst wäre, … und mich vor allem nicht “echt” verhalte. An diesem Punkt kam ich oft an …

Flussabwärts.

Denn in manchen Zeiten nehme ich mir die Freiheit allein zu sein. Es kann etwas wundervolles sein, sich eine Auszeit von jedem und allem zu nehmen, mit dem Wissen, dass da Menschen auf der Welt sind, die für einen da sind und mit denen man die Freude über solche Momente teilen kann. Es kann etwas faszinierenderes sein, gemeinsam in sich eingekehrt zu sein, in sich zu gehen und gleichzeitig zu wissen, dass man über die allein gewonnenen Erkenntnisse über sich und die Welt sprechen oder in Stille schreiben kann. Es kann eine große ehrliche Zuneigung zu einem Menschen entstehen, wenn man ihn so kennt, wie er ist, wenn er allein ist. Es kann ein großes Vertrauen zu mir selbst entstehen, wenn ich es mir erlaube, ich selbst zu sein, wenn ich alleine bin. Und es wächst zudem gleichzeitg eine große Hoffnung, mit dem Wissen, dass ich auch schmerzlos und dennoch nah an meinem Gefühl allein sein kann. Dieses Wissen verstärkt mein Glück und den Drang mein Alleinsein zu teilen. Nicht für Andere zu leben, aber …

Rhön: Winterland.

Alle Jahre wieder zieht es mich zurück in diese Gegend inmitten der Täler und Berge. Sie erinnern mich an Teile meiner Geschichte, meiner Erinnerungen, meinem Leben. Sie lassen mich spüren, dass ich Wurzeln habe. Wurzeln die mich halten, auch entfernt meiner Herkunft auf der Reise irgendwo zwischen all diesen Wegverzweigungen ferner dem Hier und Jetzt. „Winterland (Rhön, Thüringen)“ Fotografie © 12/2014 by Sascha Gawrilow / Herr Sushi™ Noch bin ich suchend, experimentell in den Dingen die ich tue, ausprobierend in meinen Zielsetzungen und doch von dem überzeugt was ich erreichen will, überzeugt von meinen bisherigen persönlichen Meisterwerken, überzeugt von der Liebe die mich streben lässt. Alle Jahre wieder reise ich zurück in eine Heimat, die es mir erlaubt ins Bewusstsein zurück zu holen und zu erkennen, welcher Weg hinter mir liegt, an welchen Orten mein Herz sein Rhythmus fand und das weitaus mehr als Stillstand und Kreise mein Leben beherschen. Nord – Süd. Ost – West. Strebend. Richtungssuchend. Zielorientiert. Ziele verlierend. Planlos. – Und doch immer wieder irgendwo ankommend. Versuchend mir selbst ein richtungsweisendes Vorbild …

“Ein Augenblick an der Aumatalspeere, Weida” Fotografie: © Sascha Gawrilow Der Blick schweigend auf den See, atme ich die Ruhe ein. Friede macht sich in mir breit. Friede so glatt und in der Ruhe liegend wie die glänzend schimmernde Wasseroberfläche unter der Morgensonne. Mir wird bewusst, dort spiegelt sich mein Leben. In der vergangenen Zeit war es ruhig, sanft in seiner Bewegung und doch kann es augenblicklich Wellen schlagen, Kreise ziehen. Und das wird es, ganz bestimmt. Ich fühle mich bereit und doch lasse ich mir nicht die Ruhe des Augenblicks nehmen, zu gegebener Zeit, aus dieser heraus, die kommenden Stürme zu meistern. Vielleicht habe ich jetzt einen entspannten Landgang, doch bin bald wieder ich der Kapitän meines Bootes und werde den Kurs über die tosenden Wellen des Lebens, jenseits dieses Sommers, halten. – Der Blick schweigt, während die Gedanken in die Ferne streben.