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Balanceakt.

Ich stehe dort am Bahnhof jener Stadt, die mich nicht ganz heimatlos existieren lässt. Blicke hinunter auf Gleise, an deren Enden vielleicht ungeahnte Grenzenlosigkeiten oder unzählige Irrgärten stehen. Versuche dabei krampfhaft die Balance zwischen dem lebendigen Moment und einer ständigen Zukunftsangst zu halten. Der Wind eines durchfahrenden Zuges zieht an meiner Nase vorbei und scheint mich loslösen zu wollen aus diesen Bedenken. Gebe vor nicht zu wissen, wo ich enden werde und verdränge es doch nur in Sehnsüchten. Mein Gepäck im Geiste wiegt eine efühlte Tonne, doch empfinde ich im gleichem Zuge, in Gedanken daran, was mich alltäglich unerwartet erwartet, eine gewisse Leichtigkeit. Diese Naivität betäubt die vorherschende eschwerlichkeit. Die Wolken unter dem grauen Firmament färben sich in ein dunkles Schwarz. Meine Lungen füllen sich mit der frischen Abendluft des nahenden Herbstes, welche auf ihrem Weg noch den Spätsommer streift und helle Erinnerungen mit sich bringt die sie sanft in mich legt. Es fühlt sich an, als wolle sie ganz tief in mir die glimmende Glut entfachen, die dieses Feuer zum lodern bringen kann, welches …

Fernweh.

„Daheim ist es am schönsten.“, denken wir uns, wenn wir von Reisen wieder den Schlüssel in das Schloss stecken und uns der bekannte Geruch entgegen weht. Ich rieche nichts als ich die Wohnung betrete. Zumindest nichts Besonderes, sondern eher den Staub auf dem Regal. „In zwei Tagen ist er eh wieder da“, denke ich mir und lasse ihn liegen. Genauso wie die Post. Handyvertrag, Strom, Miete und Prospekte, die mich dazu nötigen, noch mehr zu kaufen, als ich eh schon habe. Und da liege ich auf der seit Wochen unbenutzten Decke und schalte zum dritten Mal durch das TV-Programm. Dem Rest der Wohnung habe ich immer noch keinen Blick gewürdigt. Die Bilder an der Wand sind eben immer noch dieselben, der Mülleimer immer noch überfüllt, Bücher auf meinem Nachttisch immer noch nicht gelesen, Pflanzen auf meinem Fensterbrett seit Wochen nicht gegossen. Hängender Kopf – auch bei der Orchidee. Ich lasse den Blick weiter schweifen, schüttel still mit dem Kopf, schalte den LCD-Fernseher wieder aus und stehe auf. Ich nehme die Reisetasche, kippe sie aus, lasse …

Reisetasche

Ich weiss genau wo sie ist, meine Reisetasche, sie ist schön versteckt vor mir, unter meinem Bett, ich hab sie in eine Schublade eingesperrt, damit sie mich nicht immer an meine Reisen erinnert. An die Routen die ich gerne bereisen würde, die Länder, die ich gerne sehen mag, an die Orte an denen ich schon mit ihr war.  Sie ist dort unten, dass sie mir in den Nächten Träume schenken kann, weil dann, darf ich überallhin reisen wo ich hin reisen will. Um mich herum werden Stimmen laut die meinen ich reise zu viel. Ich sei nicht mehr Zuhause. Um mich herum werden Stimmen wach die mich Fragen, was es mit der Reiserei plötzlich auf sich hat. Und um mich herum erklären mir Stimmen ich wäre doch früher nicht so gewesen. Und bei jedem Wort dazu werde ich leiser, bis ich ganz leise bin und mein reisesehnsüchtiges Herz ganz laut schlägt. Aber Herzen kann man nur hören, wenn man das Ohr an die Brust drückt, oder dann, wenn man Worte liest, beim Schreiben kann man …

Das Beste am Reisen sind die Momente, in denen man sich umsieht und feststellt, dass sich – genau in dieser Sekunde, live und in Farbe – ein Wunsch erfüllt, von dem man lange nur geträumt hat. Das Allerbeste ist aber: wenn man hinterher zurück blickt und feststellt wie viele Wünsche sich ‘nebenbei’ erfüllt haben, von denen man vorher nicht mal geträumt hat. M (via schlamerikawaii2012)