Alle Artikel mit dem Schlagwort: poesie

Dazwischen.

Ich sehe den Nebel über den Feldern. Sehe das braune Gras unter meinen Füßen. Sehe das Fallen der Blätter an den Bäumen. Sehe das Grau oben am Himmel. Ich schaue dazwischen. Ich lausche den Liedern der Vögel. Lausche den Kinderfreuden aus dem Dorf. Lausche den Melodien ferner Kulissen. Lausche den Klängen dieser Gegenwart. Ich lausche dazwischen. Ich spüre die Morgenfrische an meiner Nasenspitze. Spüre den Morgentau an meinen Fingern. Spüre meinen pochenden Herzschlag. Spüre tief meine Menschlichkeit. Ich spüre dazwischen. Ich sehe, höre, spüre, in aller Stille. Das Dazwischen verbindet eine Dankbarkeit. Zwischen Vergänglichkeit und Sehnsucht. Zwischen Himmel und Erde allen Seins.

Zentrum.

Feuerrote Blätter, umweht von Wind im Sturm der Jahreszeiten. Das Leben gefärbt und Farbe gelebt. Der haltende Ast, ein seidener Faden an dem Hoffnungen hängen und Erinnerungen kleben. Kräfte sammeln, Schlechtes vertreiben, die Mitte wieder ins Zentrum stellen. Zeiten reifen, Winde wehen, tragen hüpfende Herzen und fliegende Schritte. Der Herbst stellt mein Leben in die Mitte.

Physis.

Während mir die Sonne warm ins Gesicht scheint werde ich abermals von einem Traum hinweg gerissen. Eine Melodie ertönt sanft in meinen Ohren und ein betörender, aber nicht aufdringlicher Geruch umspielt meine Sinne. Ich sehe verschlungene Farben in vollendeter Harmonie. Gleißend goldenes Licht spielt auf einer Wiese und vertreibt Schatten und Kälte. Mein Herz ist erfüllt von Wärme und Licht. Die Melodie definiert sich deutlicher und ich bemerke, dass es die Melodie meines Lebens ist. Ich bin Teil von längst vergangenen Zeiten, gegenwärtigen Zeiten und zukünftigen Zeiten. Der Wind der Zeit weht unaufhaltsam. Ich berausche mich an der vollkommenen Schönheit dieses Ortes, beneble mich an seiner Herrlichkeit. Obwohl dieser Ort nur in mir existiert, merke ich doch deutlich, dass auch ich ein Teil von ihm bin. Diese Welt ist eine virtuose in sich geschlossene Harmonie, unübertrefflich und fehlerfrei in ihrer Anmut. Sie empfängt mich mit ihrer Herzlichkeit und in ihr finde ich Vertrauen und Geborgenheit. Diese Welt ist voller Ruhe und Besinnlichkeit. Auf sattgrünen Wiesen entfalten mannigfarbene Blumen ihre volle Schönheit und Bäume schaukeln im …

Licht.

Und dann berührt mich das Licht am Morgen. Weich und zart spricht es zu mir. Spricht mit seinen sanften Farben: “Komm. Komm einfach mit mir.” während es ganz langsam meine Arme mit seinen warmen Strahlen bedeckt, auf meinem Gesicht verweilen wollend, um dann meine Augen mit Leben zu füllen. “Komm. Komm flieg´ mit mir, begleite mich irgendwo hin. Ganz egal. Komm.” Ich gehe hinaus, das Licht umhüllt mich, wird zu meinem Begleiter.

Sonntagsmusik.

Es ist taghell, wenngleich die Schatten der Nacht noch immer ihre Kreise ziehen. Kreisen. Tanzen. Nah und doch so fern. Kaum greifbar und doch spürbar. Sie tanzen im Regen, der sanft vom Himmel fällt. Fällt. Rinnt. Tropft. Bestimmt schlägt er gegen das Fenster. Schlägt. Klopft. Tropft. Unzählige Tropfen. Tränen gleich. Schön wie Perlen. Einzigartig und facettenreich. Kein Ton, ein Klang, Musik. Tropfen um Tropfen. Schlagen und klopfen. Gelenkt vom Wind, tanzen sie ihren letzten Tanz. Geführt, berührt, gespürt. Tropfen um Tropfen. Schlagen und klopfen. Sie fallen und rinnen. Gejagt und getrieben. Fließen, um zu ertrinken. Entstanden, um zu schwinden. Tropfen um Tropfen. Schlagen und klopfen. Ich ertrinke, ohne zu ertrinken. Ertrinke zwischen dem Hier und Dort, dem Bin und War, dem Wünschen und dem Wissen. Ertrinke in mir. Ertrinke im Klang. Ertrinke in Musik. Tropfen um Tropfen. Sonntagsmusik.

In mir.

  Es ist, und es ist da Es ist un-bedingt und natürlich Es ist die Liebe, es ist das Leben Und es ist das Leid Die zarte Leidenschaft und die volle Hingabe Das in sich gelöst sein und verträumen in dem was ist Was da ist und doch nicht hier Es ist die stille Enge und der Moment der Entpuppung Es ist die entfaltete Seele Es ist die Weite und die Freiheit Es ist die Verbundenheit und die nie endende Tiefe Es ist das zarte Sinken Es ist das hohe Flattern Es ist der Aufbruchs-schrei und der Freudentaumel Es ist der Fall und das Erwecken Es ist das Liegen und das Atmen Es ist die Ruhe Es ist das Augen-schließen und das Wärme spüren Es ist das Öffnen und das gespannte Staunen Es ist, es ist alles da, hier in mir Und es fühlt sich so gut an.

Be-wortet.

Wenn Worte und Gedanken durch Stift und Papier auf ihrem Weg durch uns zum Ziel werden, weil wir nicht gefangen bleiben, in Blicken die nicht weiter reichen, als das Auge eben sieht. Wenn der Traum wahr werdend ist, der dich durch den Horizont erweiternd, weg von dir, hin zu Worten treibt, in denen man nicht gefangen ist und bleibt, weil sie weiter reichen als das Auge sieht. Wenn der Platz wahr werdend wird, an den das Herz flieht, wenn er sich in dessen Be-schreibung unbegreiflicherweise offenbart: Dann wird Hoffnung, Wort für Wort, durch hoffnungsvolle Worte echt werdend zu echter Hoffnung. Wenn Worte auf ihrem Weg zum Ziel durch uns lebendig werden – dann wirken wir durch sie be-lebend weil wir uns in ihnen unsere Hoffnung be-schreibend offenbaren.

Noch immer ist eine Erinnerung hier an die Zeit mit dir die schöner war als sie heute ist und doch möcht´ ich leben für heute und nicht im gestern Gestern ist, was du über Vergangenheit erzählen kannst und gern erzählen würdest. Heute ist, was du morgen über gestern erzählst, also überleg schnell, was du morgen über gestern erzählen willst, denn heute wird zu schnell gestern, wenn du zu schnell denkst und zu langsam fühlst.

Was es ist. Ohne jede Hoffnung allein zu sein. Zu wissen daß man letztlich allein sein wird und dennoch zu lieben mit allen Hoffnungen. Das ist es.

Winterlied / Hoffnungsschimmer

Wenn bald die letzten Augen schließen lass’ uns diesen einen Tanz noch wagen wenn letzte Tränen von Eiszapfen fließen lass’ gemeinsam nochmal „ja!“ uns sagen Ich will ein letztes Mal dich noch erleben wirst du mich noch einmal sicher führen unter meinen Füßen wird die Erde beben werd’ ich im Winter heißen Atem spüren In der Leidenschaft der alten Lieder durch Ruinen von verlassenen Städten trampeln wir jeden Rest von gestern nieder bis uns die Leere platzt aus allen Nähten Wie neue Menschen auf entlegenen Wegen über Schlachtfelder und Leichenberge wie der Wind werden wir Schnee wegfegen durch kahle Gärten, über Gartenzwerge Auf leeren Straßen, unter toten Ampeln bis wir den neuen Morgen vor uns sehen lass’ uns tanzen! Lass’ uns trampeln! Bis wir wieder ganz am Anfang stehen Von einem Gipfel aus, ganz eng beisammen brennt unser Feuer dann am Horizont sehen wir Menschen tanzen, neu entflammen schimmert Hoffnung durch die Winterfront Foto :: „Winter Wonderland“ by Anton Stenander