Alle Artikel mit dem Schlagwort: lebensweg

Spuren im Schnee.

Einen Fuß locker auf das Knie des anderen Beins gelegt, sitze ich schweigend in der Nacht. Unter meiner dicken Mütze spielen die Gedanken Melodien in meinem Kopf und wechseln sich damit ab, mit ihrem eigenen Soundtrack zwischen gestern, heute und morgen die kalte Nacht zu durchbrechen. Die Luft vor meinen Augen kristallisiert sich mit jedem Atemzug. Wie ein Kaleidoskop bricht sich das Licht des Mondes in meinem Atem und taucht den Boden vor mir in ein Lichtspektakel wie in 1001 Nacht. Um mich herum fällt kleiner, weicher Pulverschnee. Nicht viel. Gerade genug um im Licht des Mondes und der Straßenlaternen zu tanzen. Der Platz vor mir ist weiß. Keine Spuren im Schnee. Kein Mensch hat bisher die Schneefläche betreten. Es hat etwas erhabenes in diesem Moment hier anwesend zu sein. Zu sehen wie schnell etwas auf so natürlicher Art und Weise verschwinden kann, wie die Vergänglichkeit in einem Zeitraffer. Wo vor zehn Minuten noch ein Platz war ist jetzt eine kahle, kalte, Zentimeter hohe Decke aus feinsten Eiskristallen, in der der Schall sanft unterzugehen scheint …

Postkarte aus dem Augenblick.

Während der Blick schweigend auf dem See liegt, atme ich die Ruhe ein. Friede macht sich in mir breit. Friede so glatt und in der Ruhe liegend, wie die glänzend schimmernde Wasseroberfläche unter der warmen Sonne, die das tiefe Blau des Himmels hell mit ihrem Licht überstrahlt. Mir wird bewusst, dort spiegelt sich das Leben. Zu manchen Zeiten ist es ruhig, sanft in seiner Bewegung und doch kann es augenblicklich Wellen schlagen. Kreise ziehen und an die Ufer schlagen. Und das wird es, ganz bestimmt. Ich fühle mich bereit und doch lasse ich mir nicht die Ruhe des Augenblicks nehmen, zu gegebener Zeit, die kommenden Stürme zu meistern. Vielleicht habe ich jetzt einen entspannten Landgang, doch bin ich bald wieder der Kapitän meines Bootes und werde den Kurs über die tosenden Wellen des Lebens, jenseits dieses Sommers, halten. Der Blick verweilt in dieser Schönheit, während die Gedanken lebendig in die Ferne schweifen. Schaue hoch ins Himmelszelt, will dieses prächtige Licht einfangen. Unten am Boden erblicke ich manch glänzende Perle dieser Faszination im Augenblick. Sie lässt …

Gedanke zum Geburtstag.

Heute ist mein 36. Geburtstag und ich bin umhüllt vom warmen Kerzenlicht, zwischen knisterndem Geschenkpapier und dem zarten Duft des heißen viel zu süßen Kakaos. Dazwischen finden sich die Gedanken zusammen und resümieren das vergangene Jahr. Es wird mir wieder bewusst, wie viel doch schon von dem geschafft ist, was einmal nur utopische Fantasien zu seien schienen. Welcher Weg schon zurück gelegt ist, seit ich begann los zu gehen. “Alles ist möglich, wenn Du nur willst!” Doch trotz des starken Willens, verließ mich schon so oft der Mut und die Kraft, um wirklich am Glauben festzuhalten, manches Ziel realisieren zu können. Doch immer wieder, wenn meine Gedanken und Emotionen drohen mich zu schwächen, finden stärkende Worte in mein Ohr oder erreichen mich Hände die mich halten. Dafür bin ich dankbar. Dankbar für die Menschen, die mich im Alltag begleiten. Für jene, die voller Überraschungen sind. Für diese, die manch dunkle Zeit mit einem kleinen Funken wieder zum lodern bringen. Dankbar für die Menschen, die mir bis heute beiseite standen und noch stehen werden. Danke für …

Begegnung.

Manchmal frage ich mich, ob meine Träume vielleicht nichts weiter als nur Illusionen sind. Kommt das Gefühl in mir hoch, dass mein Leben mir nicht schenkt, was ich mir so sehr wünsche – und dass all meine Mühen, die ich mir gebe, um meine Sehnsüchte zu erfüllen, vergeblich sind. Denke in ruhigen und vor allem dunklen Momenten darüber nach, ob meine Ansprüche hier und da vielleicht doch zu hoch sind? Doch dann kommt es mir ins Bewusstsein, dass ich nicht alleine bin, dass wir alle gebrannte Kinder sind und wir mehr als nur einmal enttäuscht und verletzt wurden. Ob nun von außen oder eben von uns selbst. Diese Erfahrungen machen uns ängstlich und lassen uns verhärten, ziehen einen Zaun um unser Herz und eine Mauer um unsere Seele. Fühlen uns allein. Doch wir sollten uns nicht in dieser Verschlossenheit verlieren und stehen bleiben. Dürfen uns dieser Schwere nicht hingeben. Es gilt so offen wie möglich zu leben und nicht ständig zu befürchten, dass sich unsere Entäuschungen wiederholen werden. Denn es könnte sein, dass wir schon …

Wahre Freundschaften sind schon ziemlich wundersame und faszinierende Begebenheiten. Es gibt diese “Bekanntschaften” oder eben diese tiefen Verbundenheiten zwischen Menschen in denen es scheint, man lebe in verschiedenen Welten, in diesen sich ewig lang erstreckenden Zeiten, in denen jeder versucht sein Leben in die korrekten Bahnen zu lenken um seine Lebensziele zu verfolgen. Und doch teilt man dann und wann punktuell, in einer Art Fusion dieser Welten, intensive Momente des Lebens und schlußfolgert aus allem vergangenem, dass man doch zusammen den Weg ging und noch weiter geht, wenn auch nicht immer auf dem gleichen Pfad. Doch wer weiß schon wie breit der Pfad des Lebens ist? In Gedanken an Micha “Strudelski” / Boca Raton, Florida

Leidenstänze.

Wir tanzen alle gemeinsam und sind Teil des Ganzen. Wenn wir bereit sind, uns vom Leben überraschen zu lassen, lernen wir die Schritte, die uns schweben lassen. Jeden Tag wird uns etwas geschenkt, jeden neuen Morgen legt das Leben seinen Schatz in unsere Hände und bittet uns gut darauf Acht zu geben. Oftmals merken wir nicht, wie kostbar die Fracht ist, die wir mit uns tragen. Wir vergessen die Schönheit der Dinge, wenn wir fallen. Wenn uns das Schicksal auf Proben stellt und an Grenzen stossen lässt. Wir vergraben unsere Köpfe im schwersten Kissen, das greifbar ist und lassen den grauen Himmel über uns regieren. Der Regen fällt und jeder Tropfen auf den Kopf. Jeder Blitzschlag trifft ins Herz und wir schwimmen im Strom, schwimmen mit unserem Schmerz. Es ist wichtig, dass wir dann den Tränen den Zufluss zum Wasser ermöglichen, um unsere Seele leichter zu machen. Sie braucht diese Streicheleinheit von Zeit zu Zeit. Auch wenn wir als Könige unseres Leids nicht bemerken, wie wohltuend diese kleine Geste sein kann. Uns selbst gut tun. …

Guttatim.

„Gib deinen Tropfen Farbe. Die Mischung macht sie besonders. Dein Leben erwartet einiges an Einzigartigkeit.“ Das Leben ist wie ein Wasserfall aus Lebensjahren. Einzelne Tropfen fallen in die Schlucht der Zeit. Unaufhaltsam fallen sie in die Tiefe und verschwinden im Nebel. Viele Lebensjahre bespickt mit großen Erinnerungen und fulminanten Geschehnissen stürzen also nun den Abhang hinab in die Schlucht, und keiner tut etwas dagegen? – Das kann einfach nicht wahr sein, wie eine Lüge. Es grenzt an ein Wunder, dass Du mit diesem Naturschauspiel der fallenden Tropfen nicht alleine dastehst. Im Gegenteil, ein jedes menschliches Leben besteht doch aus fallenden Tropfen. Die Schwerkraft wird sicherlich nichts dagegen tun, um dieses Gesetz zu kippen. Und genau diese Sicherheit ist doch wunderbar. Wir wissen, was jedes Jahr am gleichen Tag passiert. Und zwar verabschiedet sich ein weiterer Tropfen Richtung Abhang. Das Einzige wofür du sorgen musst, dass du diesen Tropfen über das gesamte Jahr hinweg mit tollen Dingen nährst. Mit Dingen, die dicht und fest mit deinem Herzen verwurzelt sind. Mit Dingen, die du nicht missen kannst. …

Azurblau.

Hohe Mauern links und rechts von mir, in der Mitte ein schmaler Weg, der nur zwei Richtungen kennt. Ich laufe, laufe geradeaus, weil ich mir sicher bin, dass da der Ausgang sein muss. Und doch treffe ich nur wieder auf eine Sackgasse. Schon wieder verlaufen. Ich spüre Wut in mir aufsteigen und doch will ich mich nicht von dieser beherschen lassen. Ich drehe mich um, schaue was ich übersehen habe bis hier hin. Wieder den schmalen Weg entlang. Die hohen Mauern hüllen mich ein. Ich fühle mich gehetzt, will einfach nur raus aus dieser Enge, die mir scheint die Luft zum Atmen zu nehmen. Angst, Panik – alles scheint den Raum einnehmen zu wollen in dem ich versuche mich zu bewegen. Für mich scheint kein Platz zu bleiben. Mein Blick hetzt nach links, blicke nach rechts, nach unten … und letztendlich nach oben. Ich blicke hinauf in das einzige Indiz für Weite und Freiheit. Mitten hinein in den azurblauen Himmel über mir. Dicke helle Kumuluswolken ziehen ihre unbestimmten Bahnen inmitten ihrer Individualreise.Sie lassen sich treiben …

Not the same procedure.

Wenn man immer darüber spricht, das vergangene Jahr noch einmal rückblickend, so kurz vor dem Jahreswechsel, zu betrachten, klingt es doch immer wieder sehr vergänglich. Wie etwas unwirkliches, ganz anders als dieses Gefühl welches sich in jener vergangenen Gegenwart, in der man mittendrin stand, so nahe anfühlte und heute so fern erscheint und droht sich im Kopf in Vergessenheit aufzulösen. Doch: „Das Jahresende ist kein Ende und kein Anfang, sondern ein Weiterleben mit der Weisheit, die uns die Erfahrung gelehrt hat.“ Denn wir vergessen ja nicht wirklich. Uns kommt dies nur so vor, weil wir uns immer genau an das zurück erinnern wollen, was wir wirklich nicht mehr wissen, weil es nunmal scheinbar keine tiefere Bewandtnis für unser Leben hatte. Das was uns wirklich bewegt finden wir eine Ettage tiefer in unserer Brust, in unserem Herzen. Denn wer auf sein Herz hören kann braucht sich nicht mehr nur auf seinen Kopf verlassen um zu erkennen, dass rein gar nichts vergänglich ist, weil alles was uns geschieht uns zu diesem Menschen formt den wir im Jetzt …

Das fliegende Haus und die friedliche Seele des alten Mannes.

EIN KLEINES MODERNES WEIHNACHTSMÄRCHEN Es war einmal ein Haus, in dem lebte vor vielen Jahren für sehr lange Zeit ein Mann. Der Mann suchte zu seinen Lebzeiten immer wieder die sagenumwobene große Freiheit. Wie alle Menschen strebte er diese rätselhafte, weite Grenzenlosigkeit an. Doch niemals und nirgendwo fand er sie. Immer wieder verlor er sich in den Weiten des Horizonts … Wenn er dann zurück kehrte in sein Haus, erzählte er den Wänden oft in der Stille von seinen Gedanken, Gefühlen und Träumen. Manchmal kullerten ihm dicke Tränen über die Wangen und fielen auf den Holzfußboden unter seinen Sohlen. Das Haus hörte ihm zu. Doch es konnte ihm nicht helfen. Nur den Schutz und die Gewissheit bieten ein Stück Heimat zu haben, an die er immer zurück kehren kann, um sich ausruhen zu können von der langen Suche nach der fernen und fremden Freiheit. Alle Menschen um den Mann herum strebten haltlos und ihre Sehnsüchte schienen endlos. Der Mann war mit den Jahren schwach geworden, doch in all der Zeit fand er dennoch das Größte …