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Spuren im Schnee.

Einen Fuß locker auf das Knie des anderen Beins gelegt, sitze ich schweigend in der Nacht. Unter meiner dicken Mütze spielen die Gedanken Melodien in meinem Kopf und wechseln sich damit ab, mit ihrem eigenen Soundtrack zwischen gestern, heute und morgen die kalte Nacht zu durchbrechen. Die Luft vor meinen Augen kristallisiert sich mit jedem Atemzug. Wie ein Kaleidoskop bricht sich das Licht des Mondes in meinem Atem und taucht den Boden vor mir in ein Lichtspektakel wie in 1001 Nacht. Um mich herum fällt kleiner, weicher Pulverschnee. Nicht viel. Gerade genug um im Licht des Mondes und der Straßenlaternen zu tanzen. Der Platz vor mir ist weiß. Keine Spuren im Schnee. Kein Mensch hat bisher die Schneefläche betreten. Es hat etwas erhabenes in diesem Moment hier anwesend zu sein. Zu sehen wie schnell etwas auf so natürlicher Art und Weise verschwinden kann, wie die Vergänglichkeit in einem Zeitraffer. Wo vor zehn Minuten noch ein Platz war ist jetzt eine kahle, kalte, Zentimeter hohe Decke aus feinsten Eiskristallen, in der der Schall sanft unterzugehen scheint …

Paroli.

Dort sitze ich dann, mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit, in ein paar Monaten, dort im Irgendwo, im Irgendwann und werde zum wiederholten Male so ganz im Stillen zu mir sagen: „Genau das ist es, was ich damals wissen wollte. Dies ist die Lösung, welche ich von mir hören wollte. Genau diese!“ … Dies könnte ich sagen, wenn eben in einem dieser Augenblicke gewisse Idealzustände zwischen meinen Synapsen herschen würden. – Doch solche Erleuchtungen geschehen häufig eben nicht sofort im Ausgang eines gegenwärtig zu vertretetenden Standpunktes, sondern in jenem, noch heute unbekannten Augenblick in diesem Irgendwann. Denn es ist verflixt, da die meisten, ganz vielleicht entscheidensten Antworten erst im Nachhinein aus der geistigen Umnachtung ans Licht treten. Nämlich dann, wenn ich eigentlich gar nicht mehr weiß, wie die Frage gelautet hätte, hätte ich sie mir oder meinem Gegenüber stellen können, in diesem Augenblick der unabwendbaren Wichtigkeit der Beantwortung jener Fragestellung. – Und eben genau im Hier und Jetzt habe ich wieder, oder immer noch, hundert Fragen antwortlos parat und weiß doch schon jetzt, dass es keine treffendere …