Alle Artikel mit dem Schlagwort: gedanken

Spuren im Schnee.

Einen Fuß locker auf das Knie des anderen Beins gelegt, sitze ich schweigend in der Nacht. Unter meiner dicken Mütze spielen die Gedanken Melodien in meinem Kopf und wechseln sich damit ab, mit ihrem eigenen Soundtrack zwischen gestern, heute und morgen die kalte Nacht zu durchbrechen. Die Luft vor meinen Augen kristallisiert sich mit jedem Atemzug. Wie ein Kaleidoskop bricht sich das Licht des Mondes in meinem Atem und taucht den Boden vor mir in ein Lichtspektakel wie in 1001 Nacht. Um mich herum fällt kleiner, weicher Pulverschnee. Nicht viel. Gerade genug um im Licht des Mondes und der Straßenlaternen zu tanzen. Der Platz vor mir ist weiß. Keine Spuren im Schnee. Kein Mensch hat bisher die Schneefläche betreten. Es hat etwas erhabenes in diesem Moment hier anwesend zu sein. Zu sehen wie schnell etwas auf so natürlicher Art und Weise verschwinden kann, wie die Vergänglichkeit in einem Zeitraffer. Wo vor zehn Minuten noch ein Platz war ist jetzt eine kahle, kalte, Zentimeter hohe Decke aus feinsten Eiskristallen, in der der Schall sanft unterzugehen scheint …

Quergespalten.

Und es ist gerade eine komische Zeit. Nicht bedenklich, aber bedenkenswert. Fühle ich mich innen drin, als bestehe ich aus Zweien und gehöre doch zu niemanden. Weiß die eine Hälfte, was zu machen ist, ist die zweite ganz ereifert still zu halten und das “Etwas” zwischen diesen, welches wohl das “Ich” sein sollte, fühlt sich erdrückt und zu Weilen fast ohnmächtig. Nichts stellt sich in einen klaren strukturierten Schein, alles ist abstrakt. Aber hinter diesen persönlichen Dekonstruktionen liegt kein Irrsinn, es ist im Wesentlichen das Wissen über die Angst, welche im Nichtwissen gar nicht erst zum Vorschein käme. Seit Wochen drehen sich die Fragen nur darum woher sie kommen und warum die Worte fehlen um zu sagen was ich denke, weil ich es gerne weitertragen würde, dieses Wissen der Ungewissheit. Doch es gibt da keinen Anfang und kein Ende, wo ich eingreifen könnte, da alles im Fluß ist und doch still steht. Alles bewegt sich immer weiter vorwärts und rückwärts zugleich. Ich schwimme zu Zielen, die doch nur wie Rettungsringe auf hoher See erscheinen, und …

Von Feiertagen und der Einheit.

Mauern umzugestalten gilt für jeden einzelnen von uns. Tag für Tag und dass in sämtlichen Bereichen unseres Zusammenlebens. Gerade die Einheit mit unserem direkten Umfeld ist immer wieder eine große Herausforderung. Jedem Menschen muss es natürlich hin und wieder möglich sein sich abgrenzen zu können, jedoch nicht auszugrenzen. Dazu sollten wir kreativ den gemeinsamen Umgang miteinander und füreinander gestalten. Das gilt nicht nur für Beziehungen in Ost und West, sondern auch für jene zu unseren Partnern, Familien, Freunden und den uns Tag für Tag begegnenden Menschen. Die Einheit scheitert nicht an der Politik oder am Ost-West-Konflikt, sondern in unseren Herzen zueinander. Vielleicht sollten wir es uns manchmal mehr erlauben „Mensch(lich)“ zu sein, denn leben funktioniert nur gemeinsam und mit Kompromissbereitschaft. „Für mich ist dieser Augenblick einer der glücklichsten in meinem Leben.“ (Helmut Kohl, 1990 zur Deutschen Einheit) Die wirklichen Hintergründe der meisten feierlichen Anlässe, die sich im Laufe des Jahres in unserem Land ansammeln, bleiben mir mangels historischem Interesses hinter einem grauen Schleier im Geiste verborgen und kann daher nicht viel mit diesem oder jenen …

Nebel unter meinen Füßen.

In den frühen Morgenstunden, wenn der Nebel langsam sanft seine Bahnen über den noch kalten Boden zieht, suche ich oft diese Weichheit der Worte, um all die formlosen Gedanken in einen Ausdruck zu weben, der jene Momente in ein Bild setzen könnte, welcher nur ansatzweise die Farben meines Herzschlags zu vermitteln vermag. Dieses Jetzt fühlt sich immer wieder neu und unerforscht an. Ganz anders als die Erinnerung an das Gestern nach dem Vorgestern oder das Glauben an Morgen. Ich finde mich wieder in einer Welt voller neuer Perspektiven. In einer neuen Welt in diesem Altbekannten, mit ganz neuen Gewichtigkeiten. Manchmal, wenn er mir ganz bewusst wird, dieser Zustand der Veränderung, fühle ich mich irgendwie verloren. Suche dann orientierungslos meine Ziele im dichten Dunst. Und kurz bevor die Panik in mir aufsteigen will lasse ich mich auffangen, lasse mich auffangen von meinem Bewusstsein, welches stetig versucht mich beschützend in dieser Gegenwart zu halten. Ich löse mich aus der krampfhaften Suche nach Worten und Artikulationen. Rieche einfach nur die frische Luft des Morgens, spüre den kalten Nebel …

Konfetti im Wald.

Bis ich mir wieder bewusst wurde, dass sie schon so oft kamen – diese Nichtigkeiten. Und als ich mir darüber den Kopf zerbrechen wollte, ob sich dies nicht nur alles wieder in formlosen Strukturen verläuft, wurde mir im gleichen Moment einmal mehr dieses Wunder bewusst. Eben genau dieses Wunder des Gegensatzes der Leere und der Fülle, tief drinnen in mir. Dieses Wunder der Welt. Dieses Wunder meiner kleinen Existenz. Dieses Wunder der Suche nach der Erfüllung. Diese Wunder vielleicht doch nicht ganz allein zu sein. Dann drangen sie wieder hindurch, zwischen diesen dicken Stämmen und dem dichten Geäst der Baumkronen. Sprengten die dunklen Mauern in meinem Kopf. Ließen sie hindurch, die wärmenden Strahlen, die bis zu meinem Herz vordrangen, meinen schweren Geist zu zartem leichtem Staub aus Träumen verwandelten und im grellen Licht der Sonne wie buntes Konfetti in den grellsten Farben schimmern ließen. Und am Ende blieb dieses Gefühl in meinem Herzen zurück, dass es genau so gut ist, wie es ist. Ganz egal, wie dunkel manche Momente erscheinen, letztendlich gibt es immer wieder …

Gedanke zum Geburtstag.

Heute ist mein 36. Geburtstag und ich bin umhüllt vom warmen Kerzenlicht, zwischen knisterndem Geschenkpapier und dem zarten Duft des heißen viel zu süßen Kakaos. Dazwischen finden sich die Gedanken zusammen und resümieren das vergangene Jahr. Es wird mir wieder bewusst, wie viel doch schon von dem geschafft ist, was einmal nur utopische Fantasien zu seien schienen. Welcher Weg schon zurück gelegt ist, seit ich begann los zu gehen. “Alles ist möglich, wenn Du nur willst!” Doch trotz des starken Willens, verließ mich schon so oft der Mut und die Kraft, um wirklich am Glauben festzuhalten, manches Ziel realisieren zu können. Doch immer wieder, wenn meine Gedanken und Emotionen drohen mich zu schwächen, finden stärkende Worte in mein Ohr oder erreichen mich Hände die mich halten. Dafür bin ich dankbar. Dankbar für die Menschen, die mich im Alltag begleiten. Für jene, die voller Überraschungen sind. Für diese, die manch dunkle Zeit mit einem kleinen Funken wieder zum lodern bringen. Dankbar für die Menschen, die mir bis heute beiseite standen und noch stehen werden. Danke für …

Freiraum.

Klänge säumen den Raum in einen weichen Zufluchtsort. Die Musik malt Bilder auf geschlossene Augenlider, erschafft abrupte Sprünge zu immer neuen Formationen und schiebt die schwere Gedankenwelt des Alltags in einen fernen Hintergrund. Schafft Freiraum zum atmen ganz neuer Stücke. Freiraum für Geschichten und Wahrheiten. Freiraum um ein Stück weit fliegen zu können. Der letzte Ton wird klingen, jedoch was bleiben kann ist Nähe.

Balanceakt.

Ich stehe dort am Bahnhof jener Stadt, die mich nicht ganz heimatlos existieren lässt. Blicke hinunter auf Gleise, an deren Enden vielleicht ungeahnte Grenzenlosigkeiten oder unzählige Irrgärten stehen. Versuche dabei krampfhaft die Balance zwischen dem lebendigen Moment und einer ständigen Zukunftsangst zu halten. Der Wind eines durchfahrenden Zuges zieht an meiner Nase vorbei und scheint mich loslösen zu wollen aus diesen Bedenken. Gebe vor nicht zu wissen, wo ich enden werde und verdränge es doch nur in Sehnsüchten. Mein Gepäck im Geiste wiegt eine efühlte Tonne, doch empfinde ich im gleichem Zuge, in Gedanken daran, was mich alltäglich unerwartet erwartet, eine gewisse Leichtigkeit. Diese Naivität betäubt die vorherschende eschwerlichkeit. Die Wolken unter dem grauen Firmament färben sich in ein dunkles Schwarz. Meine Lungen füllen sich mit der frischen Abendluft des nahenden Herbstes, welche auf ihrem Weg noch den Spätsommer streift und helle Erinnerungen mit sich bringt die sie sanft in mich legt. Es fühlt sich an, als wolle sie ganz tief in mir die glimmende Glut entfachen, die dieses Feuer zum lodern bringen kann, welches …

Physis.

Während mir die Sonne warm ins Gesicht scheint werde ich abermals von einem Traum hinweg gerissen. Eine Melodie ertöntsanft in meinen Ohren und ein betörender, aber nicht aufdringlicher Geruch umspielt meine Sinne. Ich sehe verschlungene Farben in vollendeter Harmonie. Gleißend goldenes Licht spielt auf einer Wiese und vertreibt Schatten und Kälte. Mein Herz ist erfüllt von Wärme und Licht. Die Melodie definiert sich deutlicher und ich bemerke, dass es die Melodie meines Lebens ist. Ich bin Teil von längst vergangenen Zeiten, gegenwärtigen Zeiten und zukünftigen Zeiten. Der Wind der Zeit weht unaufhaltsam. Ich berausche mich an der vollkommenen Schönheit dieses Ortes, beneble mich an seiner Herrlichkeit. Obwohl dieser Ort nur in mir existiert, merke ich doch deutlich, dass auch ich ein Teil von ihm bin. Diese Welt ist eine virtuose in sich geschlossene Harmonie, unübertrefflich und fehlerfrei in ihrer Anmut. Sie empfängt mich mit ihrer Herzlichkeit und in ihr finde ich Vertrauen und Geborgenheit. Diese Welt ist voller Ruhe und Besinnlichkeit. Auf sattgrünen Wiesen entfalten mannigfarbene Blumen ihre volle Schönheit und Bäume schaukeln im Wind …

Immer weiter …

“Vielleicht verlierst du dich dort draußen. Vielleicht verlierst du dich auch in dir. Vielleicht verlierst du. Aber du kannst ankommen. Trotz aller Irrwege wirst du ankommen. Vielleicht nicht dort, wo du hin willst, aber dort wo du hin gehörst. Du wirst ankommen… ” Es gibt wohl immer wieder diese Zeiten, in denen man seinen Balast einfach nicht los wird. In keinem Ohr, an keiner Schulter. Ihn immer weiter schleppt, standhaft bleibt und versucht Zuversicht und Verzweiflung irgendwie zu kombinieren, weil man doch in längst vergangenen Tagen die Gabe in sich fand hoffen zu können. – Hoffnung gibt außerordentlich viel Kraft. Und mit Hoffnung lässt sich mancher Balast so lange (er)tragen bis dieser doch tatsächlich Beine bekommt und sich ganz von selbst verflüchtigt. Und neben all dieser gewonnenen Hoffnung beruhigt es mich umso mehr, dass es der Rest der Welt scheinbar auch nicht leichter hat, mit dem was man darstellt und mit dem was man eben fühlt kombinieren zu müssen. Vielleicht gebe ich mich damit zufrieden, dass ich mich selbst nur verstehen kann, wenn ich mein …