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Fernweh.

„Daheim ist es am schönsten.“, denken wir uns, wenn wir von Reisen wieder den Schlüssel in das Schloss stecken und uns der bekannte Geruch entgegen weht. Ich rieche nichts als ich die Wohnung betrete. Zumindest nichts Besonderes, sondern eher den Staub auf dem Regal. „In zwei Tagen ist er eh wieder da“, denke ich mir und lasse ihn liegen. Genauso wie die Post. Handyvertrag, Strom, Miete und Prospekte, die mich dazu nötigen, noch mehr zu kaufen, als ich eh schon habe. Und da liege ich auf der seit Wochen unbenutzten Decke und schalte zum dritten Mal durch das TV-Programm. Dem Rest der Wohnung habe ich immer noch keinen Blick gewürdigt. Die Bilder an der Wand sind eben immer noch dieselben, der Mülleimer immer noch überfüllt, Bücher auf meinem Nachttisch immer noch nicht gelesen, Pflanzen auf meinem Fensterbrett seit Wochen nicht gegossen. Hängender Kopf – auch bei der Orchidee. Ich lasse den Blick weiter schweifen, schüttel still mit dem Kopf, schalte den LCD-Fernseher wieder aus und stehe auf. Ich nehme die Reisetasche, kippe sie aus, lasse …

Quid terrarum iuvare novitas potest? quid cognitio urbium aut locorum? in inritum cedit ista iactatio. quaeris quare te fuga ista non adiuvet? tecum fugis. Onus animi deponendum est: non ante tibi ullus placebit locus. Seneca: Was kann dir die Neuheit der Länder helfen? Was die Kenntnis der Städte und Orte? Ins Vergebliche geht dieses Hin und Her. Du fragst, warum diese Flucht dir nicht hilft? Du fliehst ja mit dir! Die Last der Seele musst du ablegen: vorher wird dir kein (einziger) Ort gefallen. (via ingeniumeloquentiae)