Alle Artikel mit dem Schlagwort: emotionen

Balanceakt.

Ich stehe dort am Bahnhof jener Stadt, die mich nicht ganz heimatlos existieren lässt. Blicke hinunter auf Gleise, an deren Enden vielleicht ungeahnte Grenzenlosigkeiten oder unzählige Irrgärten stehen. Versuche dabei krampfhaft die Balance zwischen dem lebendigen Moment und einer ständigen Zukunftsangst zu halten. Der Wind eines durchfahrenden Zuges zieht an meiner Nase vorbei und scheint mich loslösen zu wollen aus diesen Bedenken. Gebe vor nicht zu wissen, wo ich enden werde und verdränge es doch nur in Sehnsüchten. Mein Gepäck im Geiste wiegt eine efühlte Tonne, doch empfinde ich im gleichem Zuge, in Gedanken daran, was mich alltäglich unerwartet erwartet, eine gewisse Leichtigkeit. Diese Naivität betäubt die vorherschende eschwerlichkeit. Die Wolken unter dem grauen Firmament färben sich in ein dunkles Schwarz. Meine Lungen füllen sich mit der frischen Abendluft des nahenden Herbstes, welche auf ihrem Weg noch den Spätsommer streift und helle Erinnerungen mit sich bringt die sie sanft in mich legt. Es fühlt sich an, als wolle sie ganz tief in mir die glimmende Glut entfachen, die dieses Feuer zum lodern bringen kann, welches …

Unterwegs mit meinem Rad auf dem Elsterperlenweg.

Wenn ich auf dem Sattel meines Fahrrads sitze wird jeder Weg zu meinem. Ich setze mich einfach darauf und breche auf, trete in die Pedale und ruck zuck bin ich an der nächsten Straßenecke und an der übernächsten und dann auf einmal in ganz anderen Welten, weit vom Stadtrand entfernt, die mich schweigen und durchatmen lassen. Manchmal, wenn ich so fahre, frage ich mich, wie weit wir schon gefahren sind, wie weit wir noch kommen würden. Und manchmal gibt es einen Zeitpunkt auf meinem Rad, an dem es mich auf eine ganz besondere Art und Weise verzaubert: Dann fahre ich durch Felder, über Hügel, Berge oder durch endlos weite Landstriche und habe dabei nie das Gefühl, allein zu sein. Die Zeit die ich auf meinem Rad verbringe ist oftmals tröstlich. Ganz besonders in den Momenten, in denen wir so vielen Leute begegnen, neben ihnen herfahren, sie überholen oder ganz plötzlich immer neue Orte finden. In solch vielen Stimmungen hat es mich schon getragen. Der Gedanke ist tröstlich, dass mein Rad im Keller steht, mir immer …

Stainless: Train Passengers in Slow Motion at Alexanderplatz, Berlin “An endless row of living sculptures brought together by the same subway line, the same direction, the same intention of taking the train to get caught and carried away by the urban flow. All their motions slowed down, they are graceful and stainless, holding their breath waiting for their train to pull into the station.” (Adam Magyar about “stainless”“) Train stations or bus stops are places where people from different backgrounds, and of different ages briefly cross paths. Adam Magyar views this setting as a cite of inspiration, and encouraged the viewer to pose questions such as: Who are they? Where are they going? Is it his or her birthday? Why are they smiling?  The filmmaker has created a mesmerizing series of short black and white videos featuring slow-motion footage of passengers waiting for their trains. Filmed in Tokyo (Shinjuku station), New York (Grand Central Station) and Berlin (Alexanderplatz station), the footage was shot at 50 frames per second using a high-speed camera, giving the impression that the …

“Manchmal öffnen mich Situationen und Menschen so abrupt, dass sich meine Worte so schnell von innen nach außen bewegen, dass ich von einem Thema zum nächsten springe, von einer Welle zur nächsten surfe, sich die Grenzen zwischen Gut und Böse vereinen, ich unzählige positive und negative Emotionen und so viele Erinnerungen ausdrücken will, dass ich selbst vergesse auf was ich eigentlich hinaus möchte. Berge werden zu Tälern. Täler zu Bergen. Und dann ist auf einmal der Himmel auf Erden. Eigentlich weiß ich nie im direkten Augenblick wohin ich möchte, wenn ich etwas sage. Aber dann, nach dem Ende des finalen Punktes, weiß ich meist, dass es gut war, dieses Tohuwabohu.”

Seit Wochen drehen sich die Fragen nur darum, woher sie kommen und warum die Worte fehlen um zu sagen was ich denke, weil ich es gerne weitertragen würde, dieses Wissen der Ungewissheit. Doch es gibt da keinen Anfang und kein Ende, wo ich eingreifen könnte, da alles im Fluß ist und doch still steht. Alles bewegt sich immer weiter vorwärts und rückwärts zugleich. Ich schwimme zu Zielen, die doch nur wie Rettungsringe auf hoher See erscheinen, und gehe unter, obwohl ich schwebe. Die verirrten Regentropfen des Herbstes in meinem Mund schmecken nach salzigem Meereswasser und flüstern mir einen längst vergessenen Traum zwischen all den Fragen und vergessenen Worten …  Eigentlich wäre es so simpel. Eigentlich!

So oft war er da in meinem Kopf dieser Gedanke etwas verpasst zu haben. Und des öfteren erwische ich ihn dabei, sich wieder in diese Strukturen zu verlaufen etwas verpasst zu haben oder verpassen zu können. Aber “hätte, wäre, wenn” bringt nichts weiter als nur Spekulationen, doch bringt sie niemanden näher an eine Wahrheit. Denn erst mit dem Gefühl, dass man wirklich gar nichts verpasst hat und nichts verpassen wird, kann man mit aller Bescheidenheit die Welt erobern. Und diese raren Augenblicke der Eroberung machen einen selbst zu einem Held und zum Rebell gegen die Maschinerie der Zeit und der Geschwindigkeit des Alltags. Was habe ich denn wirklich verpasst mit diesem heldenhaften Gefühl? Wenn ich es mit meinem Herzen betrachte: Nichts. Denn ich habe die erlebten Momente gewonnen und jeder weitere kommt hinzu.

Stadt

Herz schlägt. Mit Tausenden schlägt es und wehrt sich gegen den Takt der anderen. Längst ist der Schritt der gleiche, der Blick, die Hektik, die Besitzt ergreift von den Gedanken. Nur das Herz wehrt sich noch. Gegen das grau der Häuser, den Lärm der Autos, die Neonröhren. So viele Menschen auf einem Platz, so viele Herzen nebeneinander und doch kennt keines das andere beim Namen. Im Takt der Vergessenen schlagen sie, im Takt der Verlorenen. Man hetzt und eilt und quetscht sich durch die Straßen. Rote Ampel. Stopp, warte. Grün, weiter. Laufen, quetschen, schieben, drängen, eilen. Tunnelblick. In Tunneln sind wir zuhause. Alles einsteigen, Türen schließen automatisch. Tunnel, Röhre, Rolltreppe, Tunnel, Augustin. Oh, du lieber Augustin. Der Blick ergraut und das Herz wird müde. So aussichtslos scheint der Kampf. Das Herz sehnt sich nach Horizont. via glasperlenspielerin

Ich laufe durch den Park. Es ist kalt, die herbstliche Luft ist feucht. Die Blätter fangen an zu fallen. Ich hebe eines auf, betrachte es und mir wird bewusst, das saftige Grün dieses Blattes war einmal. Und ich denke weiter, der Herbst hat irgendwie etwas retrospektives. Ich blicke kopf- und gefühlslastig zurück auf den Sommer, auf den Frühling, auf all das Geschehene, die Begebenheiten, die Menschen. Alles fühlt sich fern an, was lange Zeit so nah am Herzen stand. Soviel Vergangenheit liegt in der Luft, soviel Vergangenheit. Und die Gegenwart scheint im Stillstand. Doch die Zukunft kommt gewiss und wird wieder zu meinem Herzen finden. Es steht offen, Licht, es steht offen. Und bist Du hier bei mir angekommen bist finde ich Trost in den Farben des Herbstes.

Mein Clown ist ein Arschloch

Der Sack kommt immer genau dann in die Manege, wenn eigentlich alles weinen will. Mit seinem affigen Gehampel und seinen dämlichen Grimassen. Der Arsch kommt genau dann, wenn die Seiltänzer und Ballerinas ihre wohl geformten Körper in schlangenartigen, bedächtigen Bewegungen um Fehler herum manövrieren. Gerade ist man fasziniert von dieser Eleganz und diesem Können und dann ist die Show vorbei und der vermeintlich lustige, geschminkte Typ versaut die Faszination. Gerne würde ich diesem Clown die Schminke vom Gesicht wischen, ihm zeigen dass er menschlich ist und keine Witzfigur. Ohne Schminke ist er viel weniger Arsch, viel weniger Schauspieler und viel mehr Mensch. Er wäre ein Clown der Natürlichkeit und Echtheit. Mein Clown nervt mich des öfteren, weil er immer dann kommt, wenn ich eigentlich Ernst rüberbringen will, wenn ich etwas zu sagen habe, wenn ich etwas wirklich Bewegendes tun könnte, wenn Herzenssachen anliegen, wenn es um Ängste geht, dann ist er zur Stelle. In diesen Augenblicken wird die Schminke angelegt und ich bin mein Clown. Die Situationen werden wohl aufgelockert, jedoch verliert die Konstruktivität des …