Alle Artikel mit dem Schlagwort: alltag

Spuren im Schnee.

Einen Fuß locker auf das Knie des anderen Beins gelegt, sitze ich schweigend in der Nacht. Unter meiner dicken Mütze spielen die Gedanken Melodien in meinem Kopf und wechseln sich damit ab, mit ihrem eigenen Soundtrack zwischen gestern, heute und morgen die kalte Nacht zu durchbrechen. Die Luft vor meinen Augen kristallisiert sich mit jedem Atemzug. Wie ein Kaleidoskop bricht sich das Licht des Mondes in meinem Atem und taucht den Boden vor mir in ein Lichtspektakel wie in 1001 Nacht. Um mich herum fällt kleiner, weicher Pulverschnee. Nicht viel. Gerade genug um im Licht des Mondes und der Straßenlaternen zu tanzen. Der Platz vor mir ist weiß. Keine Spuren im Schnee. Kein Mensch hat bisher die Schneefläche betreten. Es hat etwas erhabenes in diesem Moment hier anwesend zu sein. Zu sehen wie schnell etwas auf so natürlicher Art und Weise verschwinden kann, wie die Vergänglichkeit in einem Zeitraffer. Wo vor zehn Minuten noch ein Platz war ist jetzt eine kahle, kalte, Zentimeter hohe Decke aus feinsten Eiskristallen, in der der Schall sanft unterzugehen scheint …

Balanceakt.

Ich stehe dort am Bahnhof jener Stadt, die mich nicht ganz heimatlos existieren lässt. Blicke hinunter auf Gleise, an deren Enden vielleicht ungeahnte Grenzenlosigkeiten oder unzählige Irrgärten stehen. Versuche dabei krampfhaft die Balance zwischen dem lebendigen Moment und einer ständigen Zukunftsangst zu halten. Der Wind eines durchfahrenden Zuges zieht an meiner Nase vorbei und scheint mich loslösen zu wollen aus diesen Bedenken. Gebe vor nicht zu wissen, wo ich enden werde und verdränge es doch nur in Sehnsüchten. Mein Gepäck im Geiste wiegt eine efühlte Tonne, doch empfinde ich im gleichem Zuge, in Gedanken daran, was mich alltäglich unerwartet erwartet, eine gewisse Leichtigkeit. Diese Naivität betäubt die vorherschende eschwerlichkeit. Die Wolken unter dem grauen Firmament färben sich in ein dunkles Schwarz. Meine Lungen füllen sich mit der frischen Abendluft des nahenden Herbstes, welche auf ihrem Weg noch den Spätsommer streift und helle Erinnerungen mit sich bringt die sie sanft in mich legt. Es fühlt sich an, als wolle sie ganz tief in mir die glimmende Glut entfachen, die dieses Feuer zum lodern bringen kann, welches …

Zwischen Frustration, Sehnsucht und Fusionen der Liebe.

Ich kenne dieses Gefühl von Früher. Dieser Neid auf das Glück der Anderen. Aber es erorbert mich nicht mehr. Heute spiele ich mit den Perspektiven und bin dabei ganz ehrlich (und vielleicht ein wenig voreingenommen)… Beflügelt vom frischem Duft der sprießenden Wiesen, zwischen blühenden farbenprächtigen Blumenbeeten, Sträuchern und saftig grünen Bäumen, schwebe ich leichten Schrittes durch den Park, der mir Unmengen an Sauerstoff und Glückshormonen in meinen Körper spülen soll. Ich bestaune begeistert jedes asymetrsiche botanische Wunder, welches mir in den Blickwinkel springt, schnuppere die Sonnenstrahlen, die mir die Schweißperlen auf die Nasenspitze gleiten lassen und es aus meinem Blickwinkel aussieht, als trage ich ein kleines glanzvolles Salzmeer vor mir her. Der Fluss plätschert neben mir dahin und es zirppen und summen die Bienen leise Melodien in meine Gehörgänge. Manchmal fühlt es sich an, als saußten diese kleinen beflügelten Tierchen direkt in mein Ohr, durch meinen Kopf und auf der anderen Seite wieder hinaus. Irgendwie irre psychedelisch… Und mein Blick schweift weiter so umher in den Farben dieses Frühlings, sauge jedes in der Luft befindliche …

Amadeus.

Wie viele andere Menschen habe auch ich schon einiges an Erfahrungen auf meinem Lebensweg machen können. Doch zu einem der tiefgehensten und horizonterweiterndsten Erfahrungen in meinem bisherigen Werdegang zählt noch bis heute das heilpädagogische Reiten. In der Reittherapie lernte ich nicht einfach nur das Reiten, sondern vor allem mich selbst darin zu erleben, mir näher zu kommen, mich zu geben, wie ich eben bin.  “Denn wir können erst wirklich erfahren, was Freiheit ist, wenn wir unsere eigenen Grenzen kennen, diese akzeptieren und sie in unserem Leben zu berücksichtigen lernen. Denn nicht die Grenzen sind es, die uns von der Freiheit trennen, sondern die Ignoranz unserer eigenen Fehler.“ Ich las einmal irgendwo, es muss wohl in so einer Art Fachblatt für Pferdeliebhaber gewesen sein: „Das Pferd ist der Spiegel deiner Seele.“ Meine damalige Therapeutin erklärte mir, ich könne dem Pferd nichts vorspielen, was ich selbst auch nicht sei. Ich bekäme es nicht gezügelt so lange ich nicht bei mir selbst wäre, … und mich vor allem nicht “echt” verhalte. An diesem Punkt kam ich oft an …

Vom grünen Daumen.

„Deliciosa in monochrome.“ Fotos: Sascha Gawrilow Ich habe nicht diesen besonderen “grünen Daumen”, wenn es um die Feinfühligkeit mit Pflanzen geht. Doch jene, die überleben und sich reichlich vermehren, geben meinen heimelichen Räumlichkeiten ein Ambiente, einen Wohlfühlfaktor und diese weichen Kontraste, wenn am Morgen das wärmende Licht sanft die Konturen der Blätter berührt. Dieser Faible für Pflanzen in meiner Gegenwart ist bestimmend geworden für mein Wohlbefinden. Sie lassen mich zur Ruhe kommen, schenken mir Inspirationen und manchmal sogar “Gespräche” mit ihnen, wenn mich der menschliche Geist überfordert. Sie erlauben es mir, ganz unbewusst, in der Stille manches Chaos im Kopf fein säuberlich zu sortieren. Wenn sie weiter und satter gedeihen macht es mich stolz. Es macht mich stolz, kleine Dinge um mich herum wachsen zu sehen, die ich selbst hege und pflege. – Genauso wie das eigene Leben.

Meschugge.

Ich versuche es festzuhalten, dieses Schöne, dieses Faszinierende und diese vielen kleinen lebensbejahenden Inhalte auf dem Weg durch den Alltag in dieser Welt, die so schnell und oftmals fragwürdig scheint. Manchmal stelle ich dabei fest, dass ich ausserordentlich zufrieden bin mit meiner Umwelt und den zukunftsweisenden Formationen zwischen all dem psychologischen Kriegen und Identitätskomplexen. Weil die eigene Welt eine ganz persönliche Geschwindigkeit haben kann und es möglich ist Schönheiten zu sehen, die anderen verborgen bleiben. Gerne tät ich es teilen, Menschen mit auf diese Reise nehmen. Doch die meisten hören nicht einmal zu, sind gefangen an ihren selbstangelegten bleischweren Ketten und ertrinken weiter mit ihrem Greifreflex in der naheliegenden Leere der Überflutung im Sturm der modernen Zeiten. Selbstverwirklichend im Leben untergehend. Doch manchmal gelingt es nicht einmal mir, mich dem entziehen zu können und es läuft eben nicht alles so, wie man es dann und wann am liebsten wöllte, in all dem Eifer mancher Zielsetzungen. Doch wenn mich dann einer dieser Momente erwischt, in dem mir die Sonne auf meine Haut scheint und mir mein …

Little (big) things.

Das Schreiben + Philosophieren Gedanken ringen nach Worten, um ihren Ausdruck zu finden, um zu bewegen. Es benötigt kein System oder eine Struktur. Es zählt nur die Findung vom Gedanken zum Wort, welches unendliche Perspektiven bereit hält, um mich aus diesen selbst und meine Umwelt immer wieder neu zu entdecken. Wenn Träume wahr werdend sind, die dich durch den Horizont erweiternd, weg von dir, hin zu Worten treiben, in denen man nicht gefangen ist und bleibt, weil sie weiter reichen als das Auge sieht. Wenn der Platz wahr werdend wird, an den das Herz flieht, wenn er sich in dessen Be-schreibung unbegreiflicherweise offenbart: Dann wird Hoffnung, Wort für Wort, durch hoffnungsvolle Worte echt werdend zu echter Hoffnung. Wenn Worte auf ihrem Weg zum Ziel durch uns lebendig werden – dann wirken wir durch sie be-lebend, weil wir uns in ihnen unsere Hoffnung be-schreibend offenbaren. Das Fotografieren Manche Bilder verwischen allmählich in meinem Kopf. Die Farben verlaufen zu unidentifizierbaren Strukturen. Es schaut spannend aus, jedoch ergeben sie keinen klaren Sinn mehr. Ich mochte diese Bilder, als …

Vom Warten und Dazwischen.

Mein Magen schmerzt. Zuviel Kaffee, zu wenig echte Aufregung. Da muss künstlicher Ersatz her. Das Herz bemüht sich um Schwung, nimmt Anlauf, bebt schneller. Aber mein Magen, der beschwert sich. Zuviel Koffein, er schmerzt vor sich hin und ringt mit dem bebenden pochenden Herzen um die Wette, buhlend um meine Aufmerksamkeit. Diese richtet sich auf die Tasse vor mir. Leer. Ich stehe auf, um mir einen neuen Kaffee zu machen. Aufputschen, ein bisschen legale Stimmungsheber konsumieren. Soviel, solange bis der Magen vom Herz geschlagen ist. Poch-poch-poch. Mein Blick fällt aus dem Fenster. Krokusse im Schnee, Farbtupfer auf Weiß. Der Schnee zieht sich bald schon zurück, macht Platz für Neues. Atmen, frische Luft, Gerüche – und, die Zugvögel, längst alle wieder da, bebend von der Kühle, trotzdem tirilierend. Sie sitzen auf noch kahlen Bäumen, schauen zu mir herunter. Ihre Melodien klingen wie Hoffnung. Und nach Sehnsucht. Sehnsucht. Sehnsucht nach dem Erwachen. Wie das Aufwachen nach dem nächtlichem Schlaf. Erwachen ist das schönere Bild.Aufwachen kann ich jeden Morgen. Zu erwachen hat etwas von Erwecken; den Hauch von …

Hoffnungsvolles Kind.

Manchmal bin ich wie ein kleines Kind. Dann schaue ich mir staunend die Welt um mich herum an, wie wunderbar sie doch ist, wie viel Spaß es machen kann in ihr zu leben. Ein Teil ihrer zu sein, all ihre Facetten wahrzunehmen, die Geborgenheit zu spüren und das Leben genießen zu können. Aber dann wunder ich mich oft über andere Menschen, die mich, ihr Kind in sich, verloren haben. Ich sehe sie mit tiefen Sorgenfalten durch diese Welt gehen und über Belanglosigkeiten des Alltags zu reden. Doch sehen sie nicht den schönen Regenbogen dort am Horizont? Manche laufen gebückt, so als würden sie die ganze Welt auf ihrem Rücken tragen, blicken hoffnungslos und leer auf ihren eigenen Schatten. Ich springe neben ihnen her und lache und sie fragen mich, wie ich nur so fröhlich sein kann, es ist doch ganz dunkel, der Himmel ist so bewölkt und zu dem regnet es. Ich schaue strahlend in diese matten Augen und zeige ihnen die Wunder dieser Welt: da die schöne Blume am Wegesrand, dort ein Tropfen auf …

Not the same procedure.

Wenn man immer darüber spricht, das vergangene Jahr noch einmal rückblickend, so kurz vor dem Jahreswechsel, zu betrachten, klingt es doch immer wieder sehr vergänglich. Wie etwas unwirkliches, ganz anders als dieses Gefühl welches sich in jener vergangenen Gegenwart, in der man mittendrin stand, so nahe anfühlte und heute so fern erscheint und droht sich im Kopf in Vergessenheit aufzulösen. Doch: „Das Jahresende ist kein Ende und kein Anfang, sondern ein Weiterleben mit der Weisheit, die uns die Erfahrung gelehrt hat.“ Denn wir vergessen ja nicht wirklich. Uns kommt dies nur so vor, weil wir uns immer genau an das zurück erinnern wollen, was wir wirklich nicht mehr wissen, weil es nunmal scheinbar keine tiefere Bewandtnis für unser Leben hatte. Das was uns wirklich bewegt finden wir eine Ettage tiefer in unserer Brust, in unserem Herzen. Denn wer auf sein Herz hören kann braucht sich nicht mehr nur auf seinen Kopf verlassen um zu erkennen, dass rein gar nichts vergänglich ist, weil alles was uns geschieht uns zu diesem Menschen formt den wir im Jetzt …