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Quergespalten.

Und es ist gerade eine komische Zeit. Nicht bedenklich, aber bedenkenswert. Fühle ich mich innen drin, als bestehe ich aus Zweien und gehöre doch zu niemanden. Weiß die eine Hälfte, was zu machen ist, ist die zweite ganz ereifert still zu halten und das “Etwas” zwischen diesen, welches wohl das “Ich” sein sollte, fühlt sich erdrückt und zu Weilen fast ohnmächtig. Nichts stellt sich in einen klaren strukturierten Schein, alles ist abstrakt. Aber hinter diesen persönlichen Dekonstruktionen liegt kein Irrsinn, es ist im Wesentlichen das Wissen über die Angst, welche im Nichtwissen gar nicht erst zum Vorschein käme.

Seit Wochen drehen sich die Fragen nur darum woher sie kommen und warum die Worte fehlen um zu sagen was ich denke, weil ich es gerne weitertragen würde, dieses Wissen der Ungewissheit. Doch es gibt da keinen Anfang und kein Ende, wo ich eingreifen könnte, da alles im Fluß ist und doch still steht. Alles bewegt sich immer weiter vorwärts und rückwärts zugleich. Ich schwimme zu Zielen, die doch nur wie Rettungsringe auf hoher See erscheinen, und gehe unter, obwohl ich schwebe. Drehe mich in immer kleiner werdenden Kreisen. Doch manchmal verspüre ich so viel Kraft diese Mauern in mir drinnen durchbrechen zu können und die Welt würde ganz nach meinen Regeln funktionieren können. Dann fühle ich mich leer und bin doch erfüllt. Manchmal schaue ich zu meinen Füßen und mir werden irdische Gewichtigkeiten egal. Plötzlich bilde ich mir ein auf dem Mond spazieren gehen zu können. Der Schweiss der sich unter der glühend heißen Sommersonne von meiner Stirn in meinem Mund verirrt schmeckt nach salzigem Meereswasser und flüstert mir einen stillen Traum zwischen all diesen Fragen, Vergleichen und vergessenen Worten… Eigentlich wäre es so simpel. Eigentlich! Dann will ich aufhören mit dem ewigen Grübeln, dem Sorgen, dem Klagen und dem Lamentieren. Aufhören, utopische Ziele in meinen Maßstab zu ritzen und mich dabei selbst zu verletzen. Will diese Achterbahnfahrt von weiß bis schwarz durch das bunte Farbenmeer der Gefühle genießen. Will einsehen, dass das Optimum nicht existent ist. Vielleicht sollte ich auch aufhören stetig nach dem Sinn zu forschen und einfach einen benennen. Vielleicht sollte ich einfach leben.

Und ich spüre, dass ich noch am Leben bin. Das freut mich irgendwie, denn endlich regt sich etwas in mir. Etwas will heraus brüllen, dass aufgeben nicht drin ist und alles irgendwie gut wird. Ich wende ein, dass dieser Spruch doch echt ziemlich abgefuckt ist. Klar, könnte ich jetzt hier weiter rumsitzen und warten, dass sich etwas ändert, so ganz von allein. Aber das wird es nicht tun. Also nehme ich mir den „Alles wird gut“-Gedanken zu Herzen und fühle mich ein wenig motivierter, um einen Anfang zu finden, bevor eben das Ende seinen Anfang macht. Ich beschließe zu Beginn erst einmal wieder des Öfteren meiner labilen zerbrechlichen Menschlichkeit ein Lächeln zu schenken…

Ein ganz guter Anfang, wie ich finde.

Kategorie: Texte

von

Sascha Gawrilow, geboren am 03. November 1979 im brandenburgischen Frankfurt an der Oder, heute in Leipzig lebend. Ist gelernter Maler sowie staatlich anerkannter Erzieher. Wortsuchend, laienphilosophisch, fotografisch, naturverbunden, kreativ und veloverliebt ist er als Freigeist in der Wortfinderei, Laienphilosophie, Suchtprävention und als Schreiberling tätig und ist ein überaus begeisterter Radfahrer.

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