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Alkohol- und Drogenabhängigkeit: Präventionsarbeit und -projekte

Seit 2011 trete ich mit meiner Geschichte an die Öffentlichkeit. War mir anfänglich sicherlich noch ziemlich unwohl dabei, war ich mir doch sicher, den richtigen Weg zu gehen. Hab ich mich damals, in Zeiten der Therapie und der Neuorientierung, zwar schon langsam herantasten können, mit dem stetig wachsenden Gefühl, dass dies gut ist was ich tat, doch konnte ich ja nicht erahnen, dass A: Diese Zeit auch irgendwann einmal wieder ein “Ende”, im Sinne von Platz schaffen um die weiteren Schritte zu gehen, hat, sowie B: dass sich diese Sache letztendlich doch so stark etabiliert und Anerkennung findet.

War ich doch eigentlich in der Annahme, dass dies schon viele andere taten. – Darüber sprechen. – Darüber sprechen und “fachsimpeln” wie schlecht dies doch sei, wie man sich doch letztlich selbst zerstört und all die ganzen anderen seltsamen Floskeln, die man eh schon überall nachlesen kann und zu hören bekommt. Doch alles kam ganz gegensätzlich meiner Erwartungen. Vielleicht liegt es daran, dass ich eben noch nicht ausehe wie ein “typischer” Abhängiger, wie er gerne in den Medien dargestellt wird, vielleicht ist es meine Art zu reden und selbst noch aus dem dunkelsten Dunkel noch ein Funken Licht heraus zu zaubern, vielleicht traf ich die richtigen Menschen zur richtigen Zeit, die mir die Möglichkeit gaben, dass umzusetzen, was ich zu diesem Zeitpunkt fühlte tun zu wollen. Aber vielleicht vergessen auch viele, die sich berufen fühlen von Süchten und Abhängigkeiten zu sprechen, bei ihren Recherchen und Berichterstattungen in ihrer achso grausamen Schicksalsdarstellung, auch das Leben zu beleuchten, welches sich hinter jedem einzelnen Individuum verbirgt.

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Schicksal? – Keine Ahnung ob man das so nennen kann. Wenn man so will, warum eigentlich nicht? Manche schimpfen es herablassenderweise auch “Willensschwäche”. Ich nenne es trocken beim Namen: Sucht. Solch viel Schmerz wie sich hinter dem Leben mit der Sucht auch verbirgt, ist es eigentlich ein schönes Wort, wie auch eine tiefgehende schmerzvolle, im Idealfall aber eine Lebenserfahrung, die manche Sinne neu schärft und Dinge an einem selbst entdecken lassen, die man doch gerne auf mach einem Trip in einer Welt voller bunter Farben und Liebestänzen zu unterdrücken versucht. Leitet es sich doch aus den Worten “Sehnsucht” und “Suche” ab. Und wenn dann die Suche nach der Sehnsucht nicht gestillt werden kann, hat dies nichts mit Willensschwäche zu tun. Ich verlief mich vor 22 Jahren, ich war 13, in diesem Irrgarten. War ich doch eigentlich nur auf der Suche nach Verständnis, Zusammenhalt und ein bisschen Sinn des Lebens, habe ich in dieser nie enden wollenden Grenzenlosigkeit nichts gefunden. Nichts außer Einsamkeit vor diesem riesigen Horizont des “Müssens” und “Schweigens”. Und dann war sie eben irgendwann da, an einem warmen Spätsommerabend auf der Friedhofsbank neben dem Rosenbeet. Diese Flasche Schnaps mit ein paar ml Cola vermischt. Und der Moment schmiegte sich augenblicklich an die verfahrenen Situationen. Zeigte mir nochmals allzu deutlich all die dunklen Sackgassen in denen ich mich befand. Immerhin schien es mir so auswegslos, dass ich diesen widerlichen Geschmack des Schnapses, als erlösend empfand. Genauso erlösend wie der befreiende Zustand nachdem ich die viertel Flasche geleert war, genauso erlösend wie die Sorgen Flügel bekamen, nachdem die halbe Flasche geleert war, genauso erlösend wie die Erkenntnis, ich hätte die Lösung für meine Probleme gefunden, als ich die zu dreiviertel geleerte Flasche bertrachtete und mir schwarz vor Augen wurde. Weniger erlöst war ich, als ich nach einer Alkoholvergiftung wieder zu mir kam. Immer weiter habe ich gesucht. Immer wieder diese Sehnsucht pochen spüren. Doch nie wusste ich wonach mein Herz wirklich verlangte.

Aktionswoche Alkohol "Weniger ist Besser" in der Fußgängerzone am Elsterforum, Gera.

Aktionswoche Alkohol „Weniger ist Besser“ in der Fußgängerzone am Elsterforum, Gera.

Wir sprachen einfach nie die selbe Sprache. Ich kämpfte mit dem Alltag und der stetig lauter werdenden Depression, strebte verkrampft in eine Zukunft, die nicht wie meine schien. Die Orientierung immer weiter verlierend. Immer weiter flüchtend im Alkohol- und Drogenrausch. Immer wieder gefallen, und wieder aufgstanden, und wieder gefallen, und wieder aufgestanden. Menschen getroffen, Menschen geschlagen. Freundschaften gewonnen, Freundschaften zerstört. Liebe verspürt, Liebe mit Füßen getreten. 16 Jahre getrieben in der Zerissenheit zwischen überleben, leben und kraftlos in Entscheidungen hängend vielleicht doch die Erlösung im Sterben zu finden.- Willensschwach – definitiv nein! Ich wollte das Leben fangen, es festhalten und wollte alles dafür geben so lachen und lieben zu können, wie all diese Menschen, die mir vorkamen, als kämen sie von einem anderen Stern. Sechszehn Jahre Kampf. Sechszehn Jahre durchhalten. Sechszehn Jahre von einem Trip zum nächsten … Und doch kann ich heute sagen: Ich habe gelebt, wenn auch nicht im Optimum. Aber was ist schon das Optimum? Was ist richtig und falsch? Was ist gut und was wirklich schlecht?

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Cornelia Krauße, Präventionsbeauftragte der Suchtberatungsstelle Gera und Sascha Gawrilow nach einem Schulpräventionsprojekt in Ronneburg

Nun sind schon wieder fünf Jahre vergangen, seit ich mich aus diesem Sog der Sucht befreien konnte. Fünf Jahre die mir seit dem ersten Tag in Abstinenz ein neues Leben bescherten. Sicherlich kein neues Leben in dem Sinne wie: Alte Wohnungseinrichtung raus, neue Wohnungseinrichtung rein. Nein, das “Ich” von früher ist definitiv noch da. Vielleicht würde ich gar meinen, dass es heute sogar zwei “Ichs” gibt. Sozusagen, Sascha, in Persona, der dieses Leben durchlebte und eben “Herr Sushi”, der kreative Geist, der das Gleichgewicht zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft hält. Aber eines ist gewiss, einer würde ohne den anderen nicht funktionieren. Genauso wie ich meine Suchterkrankung nicht mit Schicksal umschreiben will, auch wenn manche Begebenheit auf dem Weg bis heute ziemlich schicksalshaft (und vorallem überirdisch) erscheinen

Auch ist es eben kein Schicksal, dass ich die vergangenen Jahre aktiv in der Suchtprävention mitwirken konnte. Das Verlangen zu teilen, anderen Orientierung zu geben. Erleben zu lassen, dass niemand auf dieser Welt allein sein muss und das sich Probleme und Sorgen letztendlich definitiv nicht auf einem Alkohol- oder Drogentrip verarbeiten lassen, sollte wohl zu meiner “Berufung” werden. Und so hat gerade meine Geschichte dazu beigetragen mich dorthin neu zu orientieren, wo ich mich damals so sehr hingesehnt hatte: In die Mitte der Menschen. In die Mitte von Menschen die gespannt zu hören, ob Kinder, JUgendliche oder auch Erwachsene, sie viele Fragen haben und das Feedback geben sich hin und wieder auch selbst zu hinterfragen. Zu hinterfragen, ob ihr Weg der richtige ist, zu hinterfragen ob ihre Ziele realistisch sind und zu hinterfragen, ob sie in diesem Augenblick mit sich und ihrer Umwelt zufrieden sind. Denn viel öfters sollten wir in uns selbst hinein lauschen, uns selbst zu hören, schauen ob wir noch Träume haben und an diesen auch dran sind. Ich Danke immer wieder für das Vertrauen, welches mir entgegen gebracht wird und hoffe natürlich noch lange Zeit, diese Arbeit weiter erleben zu dürfen.

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Mit dem Team der Suchtberatungsstelle Gera auf den Gesundheitstagen 2013 im Kultur- und Kongresszentrum Gera

 

Dankeschön für die Wegebenungen, wie auch die Kooperationen bis heute an meine Mamutschka, der Fachklinik Klosterwald in Bad Klosterlausnitz, der Holzühle Kämmeritz, der Suchtberatungstelle Zella-Mehlis (Frau v. Nordheim), der Suchtberatungstelle Gera (Frau Wetterau und Kollegen), meiner treuen Chefin und Kollegin der Suchtprävention Cornelia Krauße, Zukunft für Dich e.V. Berlin, EX-IN Thüringen Erfurt, der Diakonie Ostthüringen, dem Waldklinikum Gera, der IGS – Integrierten Gesamtschule in Gera, der SBBS Gesundheit und Soziales Gera, der Gemeinde G26 Gera, der Familie Heinold, dem Schlupfwinkel und Sorgentelefon Gera e.V., Familienzentrum Gera, Wandlungswelten e.V. Jena, Psychoseseminar Gera, der Parität in Neudietendorf, dem Pfarrer der Klosterwaldklinik, Pfarrer Michael der Gemeinde Schkölen, dem Bildungswerk Kaimberg, dem Lutherhaus Jena, den netten Damen vom Arbeitsamt Gera-Greiz, meinen bis heute zu unserer Freundschaft standhaft gebliebenen Schlütters, Mario Lippold, Janine Schwarze, Jesus, Ines Baumann und Ansgar Otto für das persönliche Zeitdokument “Graue Löcher Weiße Wolken”, Medienprojekt Wuppertal und natürlich all denen, die ich vergaß zu erwähnen, die mich fördern und weiterhin dabei sind den Weg mit mir gemeinsam gehen.

Sascha Gawrilow im August 2014

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