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Postkarte aus dem Augenblick.

Während der Blick schweigend auf dem See liegt, atme ich die Ruhe ein. Friede macht sich in mir breit. Friede so glatt und in der Ruhe liegend, wie die glänzend schimmernde Wasseroberfläche unter der warmen Sonne, die das tiefe Blau des Himmels hell mit ihrem Licht überstrahlt. Mir wird bewusst, dort spiegelt sich das Leben. Zu manchen Zeiten ist es ruhig, sanft in seiner Bewegung und doch kann es augenblicklich Wellen schlagen. Kreise ziehen und an die Ufer schlagen. Und das wird es, ganz bestimmt. Ich fühle mich bereit und doch lasse ich mir nicht die Ruhe des Augenblicks nehmen, zu gegebener Zeit, die kommenden Stürme zu meistern. Vielleicht habe ich jetzt einen entspannten Landgang, doch bin ich bald wieder der Kapitän meines Bootes und werde den Kurs über die tosenden Wellen des Lebens, jenseits dieses Sommers, halten.

Der Blick verweilt in dieser Schönheit, während die Gedanken lebendig in die Ferne schweifen. Schaue hoch ins Himmelszelt, will dieses prächtige Licht einfangen. Unten am Boden erblicke ich manch glänzende Perle dieser Faszination im Augenblick. Sie lässt mich inspirieren, erlaubt die volle Entfaltung der Vielfältigkeit in meinem Herzen. Dann möchte ich sie mitnehmen, diese kleinen Momente, all diese Landschaften. Will sie formen und gestalten, neue Farben finden und es schmecken, dieses Leben. Will sie fixieren und ihnen dennoch einen Freiraum lassen, um selbst sprechen können. Und manchmal scheint es mir, ich bereiste ferne Kontinente und war doch nur mal kurz um die Ecke.

Und wenn ich mich dann, ganau an solchen Orten, immer weiter durch mein Leben bewege, fühle ich diese ständige Reise in unbekannte neue Welten. Dieses Gefühl bäumt sich dann in mir auf, ganz plötzlich, in diesen nicht ganz alltäglichen Begebenheiten, eher zu Zeiten in denen ich die kleinen Trampelpfade des Lebens begehe. Ich kann es dann spüren, wie es mich augenblicklich und mehr als überraschend meiner Stärke, alles im Griff zu haben und mich koordinieren zu können, berauben will. Doch macht es mich nicht hilflos. Vielmehr lässt es mich die Kontrolle lösen, ermöglicht es mir die eigenen Mauern zu durchbrechen und meine Sinne zu erwecken. Ich fühle mich gut in diesem Frieden. Manchmal sind mir nur ein paar Momente geschenkt, die mich so endlos fern der Gegenwart, ganz nah am reizvollen Ungewissen, und vor allem so nah bei meinem Ich stehen lassen. Diese Momente an diesen raren Orten, an denen ich die Stimme meines Herzens verstehe und die Kraft meiner Seele spüren kann sind wohl das Kostbarste, welches mir allein nur das Dasein im Jetzt schenken kann. Sie bleiben in meinem Herzen zurück, wie Postkartenmotive, die den Erinnerungen ganz neue Horizonte eröffnen.

„… Es kommt ja eigentlich auch gar nicht darauf an, ob man dort angekommen ist, wo man glaubte hin zu wollen, als vielmehr, ob man dort angekommen ist, wo man tatsächlich in jenem Augenblick hingehört …”

Kategorie: Texte

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Sascha Gawrilow, geboren am 03. November 1979 im brandenburgischen Frankfurt an der Oder, heute in Leipzig lebend. Ist gelernter Maler sowie staatlich anerkannter Erzieher. Wortsuchend, laienphilosophisch, fotografisch, naturverbunden, kreativ und veloverliebt ist er als Freigeist in der Wortfinderei, Laienphilosophie, Suchtprävention und als Schreiberling tätig und ist ein überaus begeisterter Radfahrer.

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