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Nebel unter meinen Füßen.

In den frühen Morgenstunden, wenn der Nebel langsam sanft seine Bahnen über den noch kalten Boden zieht, suche ich oft diese Weichheit der Worte, um all die formlosen Gedanken in einen Ausdruck zu weben, der jene Momente in ein Bild setzen könnte, welcher nur ansatzweise die Farben meines Herzschlags zu vermitteln vermag.

Dieses Jetzt fühlt sich immer wieder neu und unerforscht an. Ganz anders als die Erinnerung an das Gestern nach dem Vorgestern oder das Glauben an Morgen. Ich finde mich wieder in einer Welt voller neuer Perspektiven. In einer neuen Welt in diesem Altbekannten, mit ganz neuen Gewichtigkeiten. Manchmal, wenn er mir ganz bewusst wird, dieser Zustand der Veränderung, fühle ich mich irgendwie verloren. Suche dann orientierungslos meine Ziele im dichten Dunst. Und kurz bevor die Panik in mir aufsteigen will lasse ich mich auffangen, lasse mich auffangen von meinem Bewusstsein, welches stetig versucht mich beschützend in dieser Gegenwart zu halten.

Ich löse mich aus der krampfhaften Suche nach Worten und Artikulationen. Rieche einfach nur die frische Luft des Morgens, spüre den kalten Nebel auf meiner Haut und fange an mit ihm zu treiben. Hinweg über Seen, Ufer, Felder und Wälder. Hinweg über ruhelose Städte. Immer weiter sanft treibend über dieses kleine Stückchen Welt unter meinen Füßen. Und dann spüre ich wieder die Mut, die Kraft und die Freude an der Entdeckung aller Herausforderungen des Alltags, die mich hinter diesem Schleier erwarten. Ganz gewiss, werde ich hier und da einmal scheitern, doch letztendlich weiß ich: Solange sich jeder Augenblick mit einem Atemzug füllt und jeder Schritt dem nächsten folgt werde ich in einer Welt ankommen deren Formen aus meinen Pinselstrichen risultiert. Und augenblicklich strahlt die Sonne durch den Vorhang und die Farben des Nebels lassen meine Bilder in Glanz und Glitzer erstrahlen, erlauben all den formlosen Gedanken ihre Worte in sanften Formen zu finden.

Mein Herz pocht, fängt an zu rasen. Ich ziehe weiter. Weiter zu den Zielen fernab dem Hier, irgendwo dort hinten, weit hinter´m Nebel und werde doch wieder landen im Jetzt.

Kategorie: Texte

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Sascha Gawrilow, geboren am 03. November 1979 im brandenburgischen Frankfurt an der Oder, heute in Leipzig lebend. Ist gelernter Maler sowie staatlich anerkannter Erzieher. Wortsuchend, laienphilosophisch, fotografisch, naturverbunden, kreativ und veloverliebt ist er als Freigeist in der Wortfinderei, Laienphilosophie, Suchtprävention und als Schreiberling tätig und ist ein überaus begeisterter Radfahrer.

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