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Nah der Sehnsucht.

Ich spüre den Wind auf meiner Haut. Er ist noch frischer hier am Fluß als in den kühlen Gassen der grauen Stadt. Doch das Sonnenlicht ummantelt noch warm die ersten Vorboten des nächsten Winterzyklus. Ich erwische mich dabei wie ich lächelnd meine Augen schließe und in mir Sehnsucht aufsteigt. Eine Sehnsucht die mich traurig und zugleich hoffnungsvoll werden lässt. Spüre wie sich eine Träne ihren Weg über meine Wange bahnt. Jedoch verschwende ich diese nicht in Traurigkeit, weil mir mehr als bewusst ist, in diesem Moment allein am Ufer dieser Schönheit zu stehen. Ich höre dem Rauschen des Flußes zu, wie es dem Leben gleicht, wie es ohne Pausen Episoden der Lebendigkeit erzählt. Ich atme tief den Duft dieses Augenblicks. Rieche den frühen Herbst, schmecke Salz in der Luft. Ich schenke diesem mich ganz und gar umgebenden Rauschen meine Träne, verschwende sie nicht an Hoffnungslosigkeiten.

Sonnenstrahlen blitzen durch die schweren Wolken, die tiefgrau unermütlich darauf bestimmt sind das reine Blau des Himmels verdecken zu wollen. Der noch übrige Sonnenglanz berührt meine schweren Augenlider. Sie kitzeln so sehr, dass ich sie abrupt öffne und sich die Welt durch meine Tränen in weiche Farben legt. Und dann, ganz plötzlich und unerwartet, drüben am anderen Ufer, sehe ich auf einmal dich. Dich, die du mir ferner scheinst, als es mir jemals möglich ist zu reisen. Und dennoch denke ich und sage dir:  „Ich finde dich. Du und ich. Du findest mich. Mich für Dich.“ Und ich denke weiter, nicht mehr allein zu sein. Denn Du wirst mich meinen, wenn mich deine Stimme erreicht und es wird mich nicht stören, denn es wird wie schon immer sein. – Vertraut. – Ich bin. Du bist. Zusammen werden Du und Ich zum Wir. Ich werde dich berühren, du wirst mich berühren, ganz bestimmt. Deine Berührungen streicheln meine Seele. Mein Herz wird tanzen, toben und tausend Poren werden meine Handlungen bestimmen. Ich möchte dir mein Leben zeigen und mit dir zusammen unseres zeichnen. Ich kenne dich nicht und dennoch vermisse ich dich. Du fehlst an diesem Ort, du fehlst in meiner Welt. Mir scheint du sendest mir ein Lächeln über diesen Fluß der zwischen uns liegt und willst mir sagen, wir treffen uns flußabwärts auf der Brücke. Ich freue mich. Fühle mich nicht mehr allein, weil du ganz nah bist. Ganz nah an meiner Sehnsucht.

Starr schaue ich zu dir hinüber, glaube ein Funkeln in deinen Augen zu sehen. Freust du dich? Auf mich? Ich freue mich auf dich! Und gerade als ich deinen Namen rufen will, wird mir bewusst, dass du keinen trägst. Nicht in meiner Welt, nicht auf dieser Seite. Ich spüre wie der Wind meine Augen trocknet und ich wieder blinzeln muss. Doch ich will nicht blinzeln. Denn ich weiß, dann wird dieser Augenblick zu Ende sein. Dieser Augenblick wird dann zum Vorhin, dann zum Gestern und irgendwann zum Vergessen. Und du, du wirst nur wieder zu einer stillen Sehnsucht, die in meinem Herzen Tag für Tag erneut einen Silberstreif hinterlassen wird. Jene stille Erwartung nach dem liebevollen Wir. Doch der kühle Wind kennt kein Erbarmen. Die Sonnenstrahlen lassen gnadenlos die Farben trocknen, lassen dich allmählich verblasen. Ich muss blinzeln, denn der Schmerz lässt es nicht zu, mich dir weiter hinzugeben und den Augenblick ins Endlose strecken zu wollen. Ich blinzle. Reibe den Schmerz aus meinen Augen und blicke hinüber. Nichts ist im nächsten Augenblick von dir geblieben, außer jener Gedanke, dass es dich geben wird und der Wunsch, dir sagen zu wollen, dass es mich gibt und ich auf dich warte.

Foto und Text: Sascha Gawrilow

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