Notizen
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In der Stille der Worte.

Wenn Worte und Gedanken durch Stift und Papier auf ihrem Weg durch uns zum Ziel werden, weil wir nicht gefangen bleiben, in Blicken die nicht weiter reichen, als das Auge eben sieht. Wenn der Traum wahr werdend ist, der dich durch den Horizont erweiternd, weg von dir, hin zu Worten treibt, in denen man nicht gefangen ist und bleibt, weil sie weiter reichen als das Auge sieht. Wenn der Platz wahr werdend wird, an den das Herz flieht, wenn er sich in dessen Be-schreibung unbegreiflicherweise offenbart: Dann wird Hoffnung, Wort für Wort, durch hoffnungsvolle Worte echt werdend zu echter Hoffnung. Wenn Worte auf ihrem Weg zum Ziel durch uns lebendig werden – dann wirken wir durch sie be-lebend, weil wir uns in ihnen unsere Hoffnung be-schreibend offenbaren.


Manchmal aber bleiben die Seiten weiß in dieser Stille. In diesen Momenten des Schweigens. In der Suche nach Ausdruck. In einer Zeit in der sich so viel bewegt, in der soviel Um- und Aufschwung meinen Alltag beherscht. In einer Zeit in der ich Freude, Glück und Zuversicht im gleichen Zuge einatme, wie Traurigkeit, Angst und Bedenken. Solch viele Worte versuche ich zu finden, die zum Ausdruck bringen könnten was ich fühle und denke und doch scheint alles stumm und taub.Es fühlt sich an wie in einer Art Trance. Ich starre auf das Papier und falle hinein in die Monotonie des weißen Blattes. Ich fühle mich dabei nicht schlecht – ganz im Gegenteil. Unbehagen bescheert mich nur diese Ausdruckslosigkeit. Diese stetige Suche nach der Kombination von Kopf und Herz, die sich zeitweilen in dumpfen Sackgassen verlaufen oder sich in unendlichen Rotationen verlieren. Vielleicht ist es aber auch nur die Stille wie in der Mitte eines Liedes, ganz unerwartet, kurz bevor es seinen Höhepunkt findet. Vielleicht ist es die Stille zwischen den Worten, in der das eine dem anderen den Freiraum gibt, sich entfalten zu können.
Vielleicht ist es die Stille, wie in den ganz frühen Morgenstunden, in denen die Nacht und der Morgen für eine kurze Zeit undefinierbar erscheinen. Vielleicht ist es aber auch nur diese Stille, die mir zeigen will, dass ich gar kein Wort sagen oder schreiben muss, weil es einfach mal nötig ist nichts in Worte zu fassen. Diese bedeutenden Momente zwischen den Welten der sonst so weit voneinander entfernten Gefühle wahrnehmend. Ganz und gar ausdruckslos. Vielleicht sollte ich einfach die Augen schließen, den Wind und die Ruhe genießen und einfach mal anhalten und einatmen und ausatmen und einatmen. Ich schließe meine Augen, atme ein, atme aus und spüre wie sich die Freude, das Glück und die Zuversicht, die Traurigkeit, die Angst und all die Bedenken zusammentun und wie wir gemeinsam der Monotonie des ausdruckslosen weißen Blattes in meinem Notizbuch und dem Zwang nach Worten entfliehen. Dies ist die Stille zwischen den Worten, die ich nicht mit hundert Worten beschreiben kann. Manchmal hüllen sich die Worte in ein stilles reines Weiß.


Foto: My Workplace / © 03-2015 by Sascha Gawrilow

Kategorie: Notizen

von

Sascha Gawrilow, geboren am 03. November 1979 im brandenburgischen Frankfurt an der Oder, heute in Leipzig lebend. Ist gelernter Maler sowie staatlich anerkannter Erzieher. Wortsuchend, laienphilosophisch, fotografisch, naturverbunden, kreativ und veloverliebt ist er als Freigeist in der Wortfinderei, Laienphilosophie, Suchtprävention und als Schreiberling tätig und ist ein überaus begeisterter Radfahrer.

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