Alle Artikel in: Texte

Gedanke zum Geburtstag.

Heute ist mein 36. Geburtstag und ich bin umhüllt vom warmen Kerzenlicht, zwischen knisterndem Geschenkpapier und dem zarten Duft des heißen viel zu süßen Kakaos. Dazwischen finden sich die Gedanken zusammen und resümieren das vergangene Jahr. Es wird mir wieder bewusst, wie viel doch schon von dem geschafft ist, was einmal nur utopische Fantasien zu seien schienen. Welcher Weg schon zurück gelegt ist, seit ich begann los zu gehen. “Alles ist möglich, wenn Du nur willst!” Doch trotz des starken Willens, verließ mich schon so oft der Mut und die Kraft, um wirklich am Glauben festzuhalten, manches Ziel realisieren zu können. Doch immer wieder, wenn meine Gedanken und Emotionen drohen mich zu schwächen, finden stärkende Worte in mein Ohr oder erreichen mich Hände die mich halten. Dafür bin ich dankbar. Dankbar für die Menschen, die mich im Alltag begleiten. Für jene, die voller Überraschungen sind. Für diese, die manch dunkle Zeit mit einem kleinen Funken wieder zum lodern bringen. Dankbar für die Menschen, die mir bis heute beiseite standen und noch stehen werden. Danke für …

Freiraum.

Klänge säumen den Raum in einen weichen Zufluchtsort. Die Musik malt Bilder auf geschlossene Augenlider, erschafft abrupte Sprünge zu immer neuen Formationen und schiebt die schwere Gedankenwelt des Alltags in einen fernen Hintergrund. Schafft Freiraum zum atmen ganz neuer Stücke. Freiraum für Geschichten und Wahrheiten. Freiraum um ein Stück weit fliegen zu können. Der letzte Ton wird klingen, jedoch was bleiben kann ist Nähe.

Balanceakt.

Ich stehe dort am Bahnhof jener Stadt, die mich nicht ganz heimatlos existieren lässt. Blicke hinunter auf Gleise, an deren Enden vielleicht ungeahnte Grenzenlosigkeiten oder unzählige Irrgärten stehen. Versuche dabei krampfhaft die Balance zwischen dem lebendigen Moment und einer ständigen Zukunftsangst zu halten. Der Wind eines durchfahrenden Zuges zieht an meiner Nase vorbei und scheint mich loslösen zu wollen aus diesen Bedenken. Gebe vor nicht zu wissen, wo ich enden werde und verdränge es doch nur in Sehnsüchten. Mein Gepäck im Geiste wiegt eine efühlte Tonne, doch empfinde ich im gleichem Zuge, in Gedanken daran, was mich alltäglich unerwartet erwartet, eine gewisse Leichtigkeit. Diese Naivität betäubt die vorherschende eschwerlichkeit. Die Wolken unter dem grauen Firmament färben sich in ein dunkles Schwarz. Meine Lungen füllen sich mit der frischen Abendluft des nahenden Herbstes, welche auf ihrem Weg noch den Spätsommer streift und helle Erinnerungen mit sich bringt die sie sanft in mich legt. Es fühlt sich an, als wolle sie ganz tief in mir die glimmende Glut entfachen, die dieses Feuer zum lodern bringen kann, welches …

Manchmal.

An Tagen wie diesen kommt mir mein Leben so vollkommen und doch halbherzig vor. Obwohl es zeitweilen von Brüchen und hoffnunglos überwindbaren Hürden durchsäät wurde und wird, weiß ich ganz genau was alles war und ich weiß was noch kommen wird neben all diesen Dingen die man nicht ahnen kann. Aber gerade in diesen Momenten, in denen es mir ganz bewusst wird, dass man mit Einsatz und zähnezusammenbeißender Mut diese tiefen Täler durchqueren kann um sich dann irgendwann am Ende eines Abschnitts ganz weit oben unter der Sonne, auf einer grünen Wiese liegend, ein Lob in Freude zusprechen kann. Genau in diesen Momenten fühle ich, dass ich trotz alledem gerne teilen würde. Teilen würde, weil ich teilen kann, weil ich eine Verbindung gefunden habe. Gerade dann wird mir bewusst, dass ich ganz alleine auf dieser Wiese liege und zurück blicke auf einen Weg mit vielen Begegnungen. Zurück blicke auf viele Begegnungen mit Menschen die mir beiseite standen, die mir halfen, die mich stützten. Doch leider fand noch niemand dieser, und unter all den Massen dieser …

Physis.

Während mir die Sonne warm ins Gesicht scheint werde ich abermals von einem Traum hinweg gerissen. Eine Melodie ertöntsanft in meinen Ohren und ein betörender, aber nicht aufdringlicher Geruch umspielt meine Sinne. Ich sehe verschlungene Farben in vollendeter Harmonie. Gleißend goldenes Licht spielt auf einer Wiese und vertreibt Schatten und Kälte. Mein Herz ist erfüllt von Wärme und Licht. Die Melodie definiert sich deutlicher und ich bemerke, dass es die Melodie meines Lebens ist. Ich bin Teil von längst vergangenen Zeiten, gegenwärtigen Zeiten und zukünftigen Zeiten. Der Wind der Zeit weht unaufhaltsam. Ich berausche mich an der vollkommenen Schönheit dieses Ortes, beneble mich an seiner Herrlichkeit. Obwohl dieser Ort nur in mir existiert, merke ich doch deutlich, dass auch ich ein Teil von ihm bin. Diese Welt ist eine virtuose in sich geschlossene Harmonie, unübertrefflich und fehlerfrei in ihrer Anmut. Sie empfängt mich mit ihrer Herzlichkeit und in ihr finde ich Vertrauen und Geborgenheit. Diese Welt ist voller Ruhe und Besinnlichkeit. Auf sattgrünen Wiesen entfalten mannigfarbene Blumen ihre volle Schönheit und Bäume schaukeln im Wind …

Wenn denn der Augenblick die extremste Form der Gegenwart ist. Der Moment der soeben noch nicht war, jetzt ist und doch gleich nicht mehr sein wird. Was könnte das Leben für ein Opium der Wahrnehmung sein, wenn wir befähigt wären uns dessen in jeder Sekunde eines Augenschlags bewusst zu sein? Doch ist es wohl wie mit allem: Zu viel des Guten gibt den Oberflächlichkeiten zu viel Spielraum zur Entfaltung und zu wenig Tiefefürs Besondere um ins Herz zu gelangen. Aber hin und wieder sich dessen bewusst zu werden, bescherrt ein leichtes augenblickliches Kribbeln. Weniger ist halt doch manchmal mehr.

Elektrisiert.

Der weiche von der Sommerhitze aufgeheizte Sand unter meinen Füßen rinnt sanft durch die Zwischenräume meiner Zehen, während ich meinen gesamten Körper im Rhytmus wiege. Mein Herzschlag gleicht dem Takt der Musik, deren Bass von drüben schwer durch die tanzende Menschenmenge zu mir herüber wabert. Die Sterne hängen voller Klarheit am tiefschwarzen Nachthimmel, spiegeln sich im Wellenbild des Sees und malen Sekunde um Sekunde neue Bilder mit dem zuckenden Licht der Strobo vom Rand des Mainfloors. Ich schließe meine Augen, fühle mich frei in diesem Augenblick. Falle hinein in diese elektrisierende Kraft.  Die Musik schenkt dem Moment den treffenden Ausdruck für diese unaussprechbaren Dinge die in mir pulsieren. Sie umhüllt meinen gesamten Körper. Zwischen den Takt legt sich eine Melodik, begleitet von elektrisierenden Vocals und getrieben von einem sanften, rhythmischen Bass der sich durch alle Adern bis ins Herz drückt. Sie bahnt sich ihren Weg durch alle Sinne. Es scheint als könne die Musik vermeintlich Gedanken lesen, im Versuch diese zu entknoten, wenngleich sie weder Anfang noch Ende kennt. Alles findet im Klang einen Raum …

Gemeinsam anders.

Wir müssen nicht immer verstehen was um uns passiert, denn Menschlichkeit ist ebenso unfassbar wie das Leben selbst. Kalte Mauern um unsere Herzen sollten keinen Frieden verhindern. Frieden benötigt zum wachsen offene Herzen und Mut zur Veränderung. Erstrebenswert wäre gemeinsam anders sein zu können. Sascha Gawrilow

Schweigende Worte.

Manche Tage sind das blanke Chaos. Der Gegensatz vom blanken Weiß des Blattes, welches sich vor mir auf dem Tisch befindet. Ich starre darauf, während das Innerste verwirrt ist, im Versuch perfektes zu schaffen und sich im Wille des Wollens und an den Grenzen des Machbaren tiefe Gräben des Grübbelns schafft. Verkrampftes Denken und Sehnen nach einem Ausweg. Der Verstand will resignieren, er hat keine Chance. Die Hand zittert vor Wut, das Herz rast, ausgelöst dieses Gedankens der Resignation. Unmöglich etwas von dem festzuhalten was bewegt, in diesem Zustand des Zwanges loszulassen. Aber ich kann fühlen wie es wieder kommt, ganz allmählich, dieser Zustand indem das Innerste wieder mein zuhause ist bevor der drohende Wahnsinn sich entfalten kann.  Und das weiße Blatt, vor dem ich sitze, hält den Atem an. Genau wie ich. Es saugt die Luft ein in der die Worte schweben, die beschreiben könnten, was zu beschreiben wäre in diesem absurden Jetzt. Sie wabern, ganz weich, unförmig, wartend, ganz still und gespannt im Stillstand des Moments, der den gesamten Raum für sich einzunehmen …

Saltare.

Foto: Sascha Gawrilow, Selbstportrait 2015 Weil wir es uns hin und wieder verdient haben, mittendrin zu stehen, mittendrin in diesem Leben. Es spüren zu dürfen mit all seiner Kraft, auf den Wellen von wummernden Basslines und psychedelischen Melodien. Inmitten von Menschen die in jenem Augenblick auf der gleichen Welle surfen, das selbe Glück empfinden. Das Leben ist vielleicht nicht immer bunt, wir alle sind nicht immer eins und gerade deshalb sollten wir diese farbigen Momente nicht ignorieren, wenn wir drohen uns im Trott von alltäglicher Griesgrämigkeit zu verlaufen. Denn gerade diese Erinnerungen inmitten des Mittendrins sind es, die uns halten wenn wir fallen. Und wie schade wäre es doch, wenn wir fallen und fallen und nichts käme in den Kopf, was uns sagen würde: “Blick nach vorne, auch wenn mancher Sturm die Tränen aus den Augen lockt. Blick nach vorn und finde die nächste perfekte Welle mit Menschen die sich auf der selbigen befinden.” Und vielleicht sind es wieder nur ein paar Momente die es uns erlauben aufzutanken. Aber genau das ist es, dieses Surfen, …