Alle Artikel in: Poesie

Kraft der Stille.

“Harrachov Winter Sunlight.” Harrachov, Czech Fotos © 01/2015 by Sascha Gawrilow Einsamkeit, du Kraft der Stille. – Du Macht. Verwebst im Bunt der Stundenzahlen, grau – schwarze, lange Bänder. Entfachst, trotz goldener Sonnenstrahlen, ein trübes Licht. Bittersüß kriechst du ins Innern, schleichend und leise. Schickst die Erinnerung, melancholisch, auf Vergangenheitsreise. Legst Gestern und Morgen in die Waagschale des Jetzt`s. Belachst,  die fahlen Grau – Gesichter, aus deren Augen Trauer spricht, die sehnsuchtsvoll zum Himmel blicken. Einsam, betend, Hoffnung auf die Reise schicken. Du stille Kraft, verliebt in die Gefangenschaft. Vernarrt in dicke, schwere Türen, hinter denen du, mit deiner Macht, belachst, die eisigkalte Glut. Wenn du das Feuer schürst, – mit Häme.Wenn du das bunte, frohe Leben in die Dunkelheit entführst. Es einschließt, in die Einzelhaft, damit es seiner Selbst sich schäme. Du stiller Schmerz, beleuchtest du im trüben Licht nicht auch das Rot des Herzens? Den vagen Hoffnungsfunken, der zart im Mondesschein sich bricht? In dessen milchig, fahlem Schimmer, ganz leis die Liebe zu dir spricht? Die Schönheit des Seins? – Die Sicht auf …

Couleur.

An manchen Tagen, da tut es verdammt gut, dieses Fühlen ohne zu denken. Man fliegt, ist losgelöst und wie unsterblich. An manchen Tagen, da tut es verdammt weh, dieses Denken ohne zu fühlen. Man lebt, atmet, und dennoch ist man schon wie gestorben.

Was bleibt …

Noch immer ist eine Erinnerung hier, an die Zeit mit dir, die schöner war, als sie heute ist und doch möcht´ ich leben, für heute und nicht im gestern. Denn gestern ist, was ich über Vergangenes erzählen kann, heute ist, was ich morgen über gestern erzähle. Ich überlege schnell, was ich morgen über gestern erzählen will, denn heute wird zu schnell gestern, wenn ich zu schnell denke und zu langsam fühle. Möchte leben für heute, nicht im gestern, neben all dieser Erinnerung an meiner Seite. Jetzt.

Verlieren.

Ich verliere mich. Verliere mich in der Zeit, verliere mich im Tag, verliere mich im Leben, verliere mich in Erinnerungen. Ich irre nicht herum. Auch irre ich mich nicht. Fühle, dass ich mindestens aus Zweien bestehe und doch keinem mehr oder weniger angehöre. Verliere mich im Zweifel. Spühre jedoch, nah an meinem Herzen, wie ich immer wieder versuche zu meinem Ich zu gelangen und verliere mich weiterhin. Verliere mich in Träumen, verliere mich in Lieben, verliere mich in Hoffnungen. Ich verliere mich ständig und halte doch an dem fest, was mich hält. Halte mich ganz fest am Loslassen und falle in den nächsten Augenblick. Falle unwiderruflich in meine Zukunft und höre diese Melodie, während ich mich wieder in dieser verliere, gerade weil ich im “mich verlieren” grenzenlos zu leben scheine … “Memory is one of our greatest gifts, it gives us access to time, to identity, to dreams… Before music was such an easily traded commodity, it was often an experience to which people gave their full attention. Let’s bring that experience back. Let’s respect …

Licht.

Und dann berührt mich das Licht am Morgen. Weich und zart spricht es zu mir. Spricht mit seinen sanften Farben: “Komm. Komm einfach mit mir.” während es ganz langsam meine Arme mit seinen warmen Strahlen bedeckt, auf meinem Gesicht verweilen wollend, um dann meine Augen mit Leben zu füllen. “Komm. Komm flieg´ mit mir, begleite mich irgendwo hin. Ganz egal. Komm.” Ich gehe hinaus, das Licht umhüllt mich, wird zu meinem Begleiter.

Melancholie.

Melancholie ist Nebel, der einem die Sinne klärt. Melancholie ist Sehn-Sucht, die Sucht sich zu sehnen. Melancholie ist, Glück zu messen, am Ausmaß des Schmerzes, den man empfindet bei der bloßen Vorstellung, es sei vorbei – das Glück. Melancholie ist der lustvolle Seiltanz zwischen Glück und Schmerz. – Verdammter Schmerz! – Verdammtes Glück! – Und doch ist es diese Melancholie die mein Herz höher schlagen und mich mit meinen Gefühlen tanzen lässt.

In mir.

  Es ist, und es ist da Es ist un-bedingt und natürlich Es ist die Liebe, es ist das Leben Und es ist das Leid Die zarte Leidenschaft und die volle Hingabe Das in sich gelöst sein und verträumen in dem was ist Was da ist und doch nicht hier Es ist die stille Enge und der Moment der Entpuppung Es ist die entfaltete Seele Es ist die Weite und die Freiheit Es ist die Verbundenheit und die nie endende Tiefe Es ist das zarte Sinken Es ist das hohe Flattern Es ist der Aufbruchs-schrei und der Freudentaumel Es ist der Fall und das Erwecken Es ist das Liegen und das Atmen Es ist die Ruhe Es ist das Augen-schließen und das Wärme spüren Es ist das Öffnen und das gespannte Staunen Es ist, es ist alles da, hier in mir Und es fühlt sich so gut an.

Be-wortet.

Wenn Worte und Gedanken durch Stift und Papier auf ihrem Weg durch uns zum Ziel werden, weil wir nicht gefangen bleiben, in Blicken die nicht weiter reichen, als das Auge eben sieht. Wenn der Traum wahr werdend ist, der dich durch den Horizont erweiternd, weg von dir, hin zu Worten treibt, in denen man nicht gefangen ist und bleibt, weil sie weiter reichen als das Auge sieht. Wenn der Platz wahr werdend wird, an den das Herz flieht, wenn er sich in dessen Be-schreibung unbegreiflicherweise offenbart: Dann wird Hoffnung, Wort für Wort, durch hoffnungsvolle Worte echt werdend zu echter Hoffnung. Wenn Worte auf ihrem Weg zum Ziel durch uns lebendig werden – dann wirken wir durch sie be-lebend weil wir uns in ihnen unsere Hoffnung be-schreibend offenbaren.

Weil du lebst.

Sternenklare Nacht. Mondschein. Dunkle Gassen. Menschenleere Straßen. Die Stadt scheint verlassen. Es sind kaum noch Lichter zu sehen, die von Leben erzählen. Und könnte ich wählen, dann würde ich wegrennen, gehen – doch du bist hier! Auf dem Asphalt bewegen sich Schatten, die tanzen und lachen und was sie auch tun, es ist, als wollten sie dich fassen; dich umhüllen mit schwarzen Tränen und ihre Geschichte erzählen, dein Herz mit Vergangenheit füllen, es mit Erinnerung quälen. Du versuchst dich neu aufzurichten, neu zu orientieren. Du willst stark sein und stehen, die Gewalt nicht verlieren. Niemals Schwäche zeigen, aufgeben – nichts dergleichen riskieren. Doch was immer du tust, es bleibt die Angst tief in dir. Dein Herz ist kraftlos geworden, nur ein leiser Akkord, du stehst barfuß an diesem Ort und wünschst dich nur fort. Weg von diesen Schatten, `raus aus der Stadt, aus der Nacht, weg von dem, was uns geschaffen hat; bist müde und matt. Die Schatten kommen immer näher und singen ein Lied und dieses klingt unendlich nah, als ob es deine Seele …

Winterlied / Hoffnungsschimmer

Wenn bald die letzten Augen schließen lass’ uns diesen einen Tanz noch wagen wenn letzte Tränen von Eiszapfen fließen lass’ gemeinsam nochmal „ja!“ uns sagen Ich will ein letztes Mal dich noch erleben wirst du mich noch einmal sicher führen unter meinen Füßen wird die Erde beben werd’ ich im Winter heißen Atem spüren In der Leidenschaft der alten Lieder durch Ruinen von verlassenen Städten trampeln wir jeden Rest von gestern nieder bis uns die Leere platzt aus allen Nähten Wie neue Menschen auf entlegenen Wegen über Schlachtfelder und Leichenberge wie der Wind werden wir Schnee wegfegen durch kahle Gärten, über Gartenzwerge Auf leeren Straßen, unter toten Ampeln bis wir den neuen Morgen vor uns sehen lass’ uns tanzen! Lass’ uns trampeln! Bis wir wieder ganz am Anfang stehen Von einem Gipfel aus, ganz eng beisammen brennt unser Feuer dann am Horizont sehen wir Menschen tanzen, neu entflammen schimmert Hoffnung durch die Winterfront Foto :: „Winter Wonderland“ by Anton Stenander