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Dazwischen.

Ich sehe den Nebel über den Feldern. Sehe das braune Gras unter meinen Füßen. Sehe das Fallen der Blätter an den Bäumen. Sehe das Grau oben am Himmel. Ich schaue dazwischen. Ich lausche den Liedern der Vögel. Lausche den Kinderfreuden aus dem Dorf. Lausche den Melodien ferner Kulissen. Lausche den Klängen dieser Gegenwart. Ich lausche dazwischen. Ich spüre die Morgenfrische an meiner Nasenspitze. Spüre den Morgentau an meinen Fingern. Spüre meinen pochenden Herzschlag. Spüre tief meine Menschlichkeit. Ich spüre dazwischen. Ich sehe, höre, spüre, in aller Stille. Das Dazwischen verbindet eine Dankbarkeit. Zwischen Vergänglichkeit und Sehnsucht. Zwischen Himmel und Erde allen Seins.

Zentrum.

Feuerrote Blätter, umweht von Wind im Sturm der Jahreszeiten. Das Leben gefärbt und Farbe gelebt. Der haltende Ast, ein seidener Faden an dem Hoffnungen hängen und Erinnerungen kleben. Kräfte sammeln, Schlechtes vertreiben, die Mitte wieder ins Zentrum stellen. Zeiten reifen, Winde wehen, tragen hüpfende Herzen und fliegende Schritte. Der Herbst stellt mein Leben in die Mitte.

Freiraum.

Klänge säumen den Raum in einen weichen Zufluchtsort. Die Musik malt Bilder auf geschlossene Augenlider, erschafft abrupte Sprünge zu immer neuen Formationen und schiebt die schwere Gedankenwelt des Alltags in einen fernen Hintergrund. Schafft Freiraum zum atmen ganz neuer Stücke. Freiraum für Geschichten und Wahrheiten. Freiraum um ein Stück weit fliegen zu können. Der letzte Ton wird klingen, jedoch was bleiben kann ist Nähe.

Freier Fall.

Wenn dies das “wahre” Leben ist, in dem ich mich gerade befinde, frage ich mich doch in manchen dieser Momente, warum ich mich so oft habe abbringen lassen von meinem Weg, irren lassen von diesen falschen Dingen. Es droht uns das Fallen zu verlernen und das wirkliche Vertrauen zu verlieren, weil wir viel zu oft, immer nach Halt suchend, fast blind, an Unbeständigem festhalten wollen. Jedoch erst nach dem freien Fall landen wir dort, wo wir auch wirklich hingehören. Das lernen wir jedoch erst, wenn wir unsere Splitter wieder mühevoll zusammen gekittet haben. (Aus dem Notizbuch)

Gemeinsam anders.

Wir müssen nicht immer verstehen was um uns passiert, denn Menschlichkeit ist ebenso unfassbar wie das Leben selbst. Kalte Mauern um unsere Herzen sollten keinen Frieden verhindern. Frieden benötigt zum wachsen offene Herzen und Mut zur Veränderung. Erstrebenswert wäre gemeinsam anders sein zu können. Sascha Gawrilow

Fliegende Herzen.

Fliegende Herzen über dem Jazz- und Weinfest auf dem Mohrenplatz in Gera Original Fotos: Inez Linstaedter Ich breite meine Arme aus. Schwebe hinauf. Löse mich von der fesselnden Lähmung. Fliege immer weiter über meine Lebenslinie. Gleite dahin, frei von allen Erwartungen, weit über Mauern hinweg. Ich schwebe ziellos durch die Lüfte, alles andere als geradlinig. Schwebe hinein inmitten einer tanzenden Unendlichkeit. Und noch bevor ich mich dort oben verliere, spüre ich den Anker, der mich am Boden hält. Und doch bin ich in diesem Moment erfüllt von Liebe.

Im Jetzt.

Wenn denn der Augenblick die extremste Form der Gegenwart ist. Der Moment der soeben noch nicht war, jetzt ist und doch gleich nicht mehrsein wird. Was könnte das Leben für ein Opium der Wahrnehmung sein, wenn wir befähigt wären uns dessen in jeder Sekunde eines Augenschlags bewusst zu sein? Doch ist es wohl wie mit allem: Zu viel des Guten gibt den Oberflächlichkeiten zu viel Spielraum zur Entfaltung und zu wenig Tiefe fürs Besondere um ins Herz zu gelangen. Aber hin und wieder sich dessen bewusst zu werden, bescherrt ein leichtes augenblickliches Kribbeln. Weniger ist halt doch noch immer mehr. So findet mancher Augenblick seine Fasziantion und Schönheit in der Ferne, hoch im Himmelszelt oder auf dem Boden verweilend. Lässt mich inspirieren und findet in mancher Vielfältigkeit, oder vielleicht gerade im Minimalismus, seine volle Entfaltung in meinem Herzen. Dann möchte ich sie mitnehmen, diese kleinen Momente, all diese Welten in und um mich herum. Sie fixieren und ihnen dennoch einen Freiraum lassen, um selbst sprechen zu können. Will diese formen und gestalten, immer neue Farben …

Spaceman.

Ich blicke hinauf in diese Ferne, mit dem Wissen, nicht gefangen sein zu müssen, von mir selbst und meiner Welt. Spüre diese hoffnungsvolle Freude in jedem Augenblick eine neue Reise antreten zu können. Ich schließe meine Augen und sehe die Freiheit in meinem Herzen und all diese Welten zwischen hier und dort. Ich versuche mich treiben zu lassen und doch nicht loszulassen, um nicht verloren zu gehen in den Weiten dieser ankerlosen Grenzenlosigkeit. “I´m a spaceman”.

Valentine in me.

 Fotos: Sascha Gawrilow Vor ein paar Tagen ertappte ich mich, wie ich gedankenverloren aus dem Fenster starrte, „Ich liebe Dich“ sagte, ohne an irgendwas und irgendwen zu denken. Dies musste es sein: Lieben zu können, weiter zu leben, immer weiter zu suchen, mit allen Hoffnungen. Ganz einfach das zu wollen, was es noch nicht gibt, hinter der Vergänglichkeit dieser Zeit.

Avis.

Wenn Traurigkeit nur ein Vogel wäre, wie leicht fiele uns das Hoffen, wüssten wir den Himmel als Nest, in dem wir nach dem Abheben landen um anzukommen. Ohne die Angst sich zu verlieren, wie die verlaufenden Spuren im Sand vor dem kühlen Nass, ohne die Angst von den Wellen im Sturm ergriffen und irgendwo einfach angespült zu werden.