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Sundayblue(s).

„Mirror In Blue.“ Foto © 01/2015 by Sascha Gawrilow / Herr Sushi™   Ich weiß nicht, wer bei mir im Kopf die Fäden zieht, aber meine Wochentage haben Farben. Wenn die Sonne scheint, spüre ich sie noch intensiver, als würde das Licht sie durchdringen und ihnen Atem einhauchen. Wenn mir der Bezug zu den Buchstaben, die einen Tag ausdrücken, fehlen, dann übernehmen dass die Farben. Sie bringen die 24 Stunden in Form und zeigen mir, wann die Sonne aufgeht – wie eine 1A Übersetzung. Auch bei den einzelnen Farben habe ich manchmal keine Wahl. Sie kommen dann, um zu bleiben: vom dunkelgrauen Montag bis zum meeresblauen Sonntag und dazwischen Orange, Hellblau, Lila, Braun und Grau. In diesen Farben kann ich mich verlieren, sie berauschen meine Sinne weitaus mehr als die qualvolle Suche nach den passenden Buchstaben, um einen Ausdruck zu finden, ein Gefühl zu definieren. Sie sind nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern Grundlage meiner Wahrnehmung.  

Rhön: Winterland.

Alle Jahre wieder zieht es mich zurück in diese Gegend inmitten der Täler und Berge. Sie erinnern mich an Teile meiner Geschichte, meiner Erinnerungen, meinem Leben. Sie lassen mich spüren, dass ich Wurzeln habe. Wurzeln die mich halten, auch entfernt meiner Herkunft auf der Reise irgendwo zwischen all diesen Wegverzweigungen ferner dem Hier und Jetzt. „Winterland (Rhön, Thüringen)“ Fotografie © 12/2014 by Sascha Gawrilow / Herr Sushi™ Noch bin ich suchend, experimentell in den Dingen die ich tue, ausprobierend in meinen Zielsetzungen und doch von dem überzeugt was ich erreichen will, überzeugt von meinen bisherigen persönlichen Meisterwerken, überzeugt von der Liebe die mich streben lässt. Alle Jahre wieder reise ich zurück in eine Heimat, die es mir erlaubt ins Bewusstsein zurück zu holen und zu erkennen, welcher Weg hinter mir liegt, an welchen Orten mein Herz sein Rhythmus fand und das weitaus mehr als Stillstand und Kreise mein Leben beherschen. Nord – Süd. Ost – West. Strebend. Richtungssuchend. Zielorientiert. Ziele verlierend. Planlos. – Und doch immer wieder irgendwo ankommend. Versuchend mir selbst ein richtungsweisendes Vorbild …

Sommerreise.

Foto: Sascha Gawrilow Wieder einmal habe ich es nicht geschafft in diesem Sommer zu verreisen. Keine spanischen Mentalitäten, keine englischen Gepflogenheiten, keine kanadischen Hochwälder. Und doch bin ich weiter, als jemals zuvor herum gekommen, in den Weiten des Naheliegenden. Ich war an den Stränden der Gegenwart, sah das Glitzern der Möglichkeiten hinten am Horizont, lag im Schatten von Felsen der Erinnerung. Nie reiste ich weiter in eine Welt, die so fremd und neuartig ist, wie auch gleichermaßen vertraut. Und die Andenken an diese Reise, sind fest verankert im Herzen und gehen niemals mehr verloren, auf einem Billigflug zurück in die Heimat.

Hüllenlos.

Zu Besuch in der 33. Ausstellung der Kunstzone M1, Mohrenplatz, Gera „Hüllenlos“ (Ausstellung vom 22.08. bis 28.09.2014) Ich stehe im Raum. Die Bilder an den Wänden malen neue Bilder in meinem Kopf. Mein Blick verweilt zwischen manch gerahmten, halb entblößtem bis nackten Leib. Malerisch und fotografisch fixierte Momente, festgehalten für eine ungewisse Ewigkeit. Ich sehe klare Körper, erahne Konturen menschlicher Hüllen, deren Estetik, Formen und erotischen Reize mich in ihren künstlerischen Umsetzungen auf Reisen ganz nah der Haut mitnehmen. Ich spüre wie die Fantasie prickelnd beginnt ihre Kreise zu ziehen, um nun jeden folgenden Moment zu erobern. Fange an diese besondere Reise durch die Blickwinkel der Fotografen und Maler zu genießen und zu verstehen. Versuche jeden Schatten zu orten, jeden Lichtstrahl zu deuten, jeden Pinselstrich zu verfolgen. Die menschliche Nacktheit wird zur Nebensache. So offenbaren sich “hüllenlose” Geschichten in Bildern über jene Personen, die als Kunstobjekt fungieren, gar über den Menschen der den Pinsel über das noch leere weiße Blatt Papier führt oder der Person, die die Linse im richtigen Licht fokusiert. Manche Geschichten finden …

Sundowns.

Fotografien: Sascha Gawrilow, 2011 – 2014 Wenn ich auf manchen Spaziergängen am Abend den Stillstand und die Ruhe finde, einfach so stehen bleibe, die sanften Küsse der Sonne auf den Horizont fühle und eine Aura in mir, ganz nah dem Herzen, wohlsam und befreiend spüre, dann gilt mein Blick nicht mehr nur dem Weg oder meinem Ziel. Finde mich wieder mitten im Jetzt, blicke in die Ferne und ganz tief in mich hinein, atme die Frische und den klaren Duft der abendlichen Luft, ganz langsam und jeden Atemzug wahrnehmend, ein und wieder aus. Verliere dabei in jedem Moment der Zärtlichkeit keinen Gedanken daran wieviel Verzweiflung, Last und fehlender Mut hinter meinem Rücken liegt. Will mich nur an Wärme, Freude und grenzenloser Liebe erinnern. Meine Sicht fliegt über dieses Leben, wie die Wolken sanft daher. Das weiche Licht, welches das Ende und zugleich den Anfang des Tages mit einem Farbenspiel besiegelt, umhüllt mich und schließt mich ein, in all seine Facetten. Bestätigt meine Zweifel und zugleich die Zuversicht. Schenkt mir diesen klaren Sinn von alledem was …

“Ein Augenblick an der Aumatalspeere, Weida” Fotografie: © Sascha Gawrilow Der Blick schweigend auf den See, atme ich die Ruhe ein. Friede macht sich in mir breit. Friede so glatt und in der Ruhe liegend wie die glänzend schimmernde Wasseroberfläche unter der Morgensonne. Mir wird bewusst, dort spiegelt sich mein Leben. In der vergangenen Zeit war es ruhig, sanft in seiner Bewegung und doch kann es augenblicklich Wellen schlagen, Kreise ziehen. Und das wird es, ganz bestimmt. Ich fühle mich bereit und doch lasse ich mir nicht die Ruhe des Augenblicks nehmen, zu gegebener Zeit, aus dieser heraus, die kommenden Stürme zu meistern. Vielleicht habe ich jetzt einen entspannten Landgang, doch bin bald wieder ich der Kapitän meines Bootes und werde den Kurs über die tosenden Wellen des Lebens, jenseits dieses Sommers, halten. – Der Blick schweigt, während die Gedanken in die Ferne streben.

Zeit sich zu regen.

Es fließt langsam, aber stetig. Ich spüre die kühlen Tropfen auf meinem Kopf, im Nacken, wie sie langsam ihren Weg an meinem Rücken hinunter finden. Es tut gut. Es kitzelt. Stetig. Ich sollte gehen. Aber irgendwas hält mich. Was es ist, kann ich nicht sagen. Es tut gut im Regen zu stehen, allein. Nur an die Tropfen zu denken. Sie sind einfach da und wissen es nichtmal. Ich blicke auf meine Schuhe, wie sie immer dunkler werden, das Wasser aufsaugen. Es fröstelt mir leicht, doch das nehme ich nicht wirklich wahr. Das sanfte, monotone Prasseln auf meinen Kopf ist neben den kühlenden Tropfen auf meinem Körper alles was in diesem Augenblick zählt. Der Augenblick des Regens. Ich denke darüber nach, woher der Regen kommt, was er alles auf seiner Reise zu mir erlebt hat. Doch zählt das? Ist nicht nur wichtig, dass er da ist? Langsam blicke ich auf eine Scheibe, an der die Tropfen abperlen und sich zu kleinen Rinnsalen bilden, die ineinanderfliessen und sich in kleinen Verästelungen wieder trennen. Jedes Rinnsal ist einzigartig …

Mohnblumen.

Ich habe einmal (und folgend des öfteren) die Erfahrung gemacht, dass ich nur durch die Schönheit des Augenblicks berührt wurde. Der Auftakt des primären Kontrollverlusts meiner Gefühle und Tränendrüsen erwischte mich damals in einem blühenden Mohnblumenfeld. Im ersten Augenblick fühlte es sich ziemlich verweichlicht an und war mir mehr als fremd. Als mir in diesem Moment bewusst wurde, dass ich nach jahrelanger Sinnsuche mein “Ich” gefunden hatte und es auch akzeptierten konnte, wurde mir zudem auch klar, dass das “Große” nicht wirklich weit weg in der unerreichbaren Ferne liegt, sondern tagtäglich direkt vor meinen Füßen, vor meinen Augen, ganz egal wo ich mich gerade bewege oder gehe. In jeder Minute weiß ich, das mein Leben etwas besonderes ist, selbst wenn ich es gerade in manchem Fluch ertränken mag. – Und was das Weinen betrifft: Ich versuche noch immer zu kontrollieren, ob mir niemand dabei zuschaut. Doch hin und wieder kommt es eben vor, dass ich nicht anders kann, als einfach nur loszulassen und den Dingen ihren freien Lauf zu lassen. Stark ist letztendlich auch nur …

Unbezahlbar.

Wenn ich mich an manchen Orten immer weiter durch mein Leben bewege, fühle ich diese ständige Reise ins Unbekannte. Dieses Gefühl bäumt sich in mir auf, ganz plötzlich, in diesen nicht ganz alltäglichen Begebenheiten, eher zu Zeiten in denen ich die kleinen Trampelpfade des Lebens begehe. Es beraubt mich zwar augenblicklich und mehr als überraschend meiner Stärke alles im Griff zu haben und mich koordinieren zu können, jedoch macht es mich nicht hilflos. Vielmehr lässt es mich meine Kontrolle loslassen, die eigenen Mauern durchbrechen und meine Sinne erwecken. Ich fühle mich gut in dieser Ungewißheit, in der ich weder weiß, warum mir gerade in diesem Augenblick so geschieht, noch warum ich singen, tanzen und springen möchte. Manchmal sind mir nur ein paar Momente geschenkt, die mich so endlos fern der Gegenwart, ganz nah am reizvollen Ungewissen und vor allem so nah bei meinem Ich stehen lassen. Diese Momente an diesen raren Orten, an denen ich die Stimme meines Herzens verstehe und die Kraft meiner Seele spüre sind das unbezahlbarste was mir allein nur das Dasein …