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Balanceakt.

Ich stehe dort am Bahnhof jener Stadt, die mich nicht ganz heimatlos existieren lässt. Blicke hinunter auf Gleise, an deren Enden vielleicht ungeahnte Grenzenlosigkeiten oder unzählige Irrgärten stehen. Versuche dabei krampfhaft die Balance zwischen dem lebendigen Moment und einer ständigen Zukunftsangst zu halten. Der Wind eines durchfahrenden Zuges zieht an meiner Nase vorbei und scheint mich loslösen zu wollen aus diesen Bedenken.

Gebe vor nicht zu wissen, wo ich enden werde und verdränge es doch nur in Sehnsüchten. Mein Gepäck im Geiste wiegt eine efühlte Tonne, doch empfinde ich im gleichem Zuge, in Gedanken daran, was mich alltäglich unerwartet erwartet, eine gewisse Leichtigkeit. Diese Naivität betäubt die vorherschende eschwerlichkeit. Die Wolken unter dem grauen Firmament färben sich in ein dunkles Schwarz. Meine Lungen füllen sich mit der frischen Abendluft des nahenden Herbstes, welche auf ihrem Weg noch den Spätsommer streift und helle Erinnerungen mit sich bringt die sie sanft in mich legt. Es fühlt sich an, als wolle sie ganz tief in mir die glimmende Glut entfachen, die dieses Feuer zum lodern bringen kann, welches mich weiter antreibt und mein Herz erwärmt, welches manchmal droht zu erstarren, zwischen all diesen Entscheidungen und Wegweisungen, die das Leben bestimmen wollen. Höre wieder meine Worte, die ich irgendwo zwischen dem Hier und meinen letzten Stationen auf dieser Reise verlor. Ich finde sie wieder, meine Worte, an dem Ort, den ich finden werde, der mir eigentlich schon zu
Füßen liegt und doch kilometerweit entfernt ist. Ich versuche weiterhin die Balance zu halten, zwischen einer losgelösten Unbekümmertheit und der lähmenden Angst, nicht vorzeitig zu entgleisen.

Ich stehe dort am Bahngleis, in diesem Moment weit weg von all diesen Entscheidungen und blicke hoffnungsvoll hinüber auf diese Abzweigungen der Gleise am anderen Ende des Bahnhofs. In mir ein tiefes Vertrauen pochend, die richtigen Entscheidungen zu treffen und doch immer an meinem “Ich” bleiben zu können, es zu verstehen und derem Hall zu folgen.

Fernab aller Ängste, nah am Mut und dem Herzen im Gepäck.

Kategorie: Texte

von

Sascha Gawrilow, geboren am 03. November 1979 im brandenburgischen Frankfurt an der Oder, heute in Leipzig lebend. Ist gelernter Maler sowie staatlich anerkannter Erzieher. Wortsuchend, laienphilosophisch, fotografisch, naturverbunden, kreativ und veloverliebt ist er als Freigeist in der Wortfinderei, Laienphilosophie, Suchtprävention und als Schreiberling tätig und ist ein überaus begeisterter Radfahrer.

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