Monate: Juli 2014

Bruchstücke.

Vielleicht war es auch nur der Gedanke daran, dass es jemanden gab auf dieser Welt, der an einen glaubte, für den man nicht das Allerletzte war, der einen wertschätzte und in dessen Augen man einfach mal ein Mensch mit gewissen Werten war. Ein Gedanke der sich in meinem Herz verfing und überblieb, nach einer Diskussion zwischen mir und einer damaligen guten Freundin. Da unsere Gefühlswelten mehr als unsicher waren, fand diese Unterhaltung im Frust ihr Ende, ohne jemals wieder die Zukunft der Beziehung zueinander klarzustellen. Wir sprachen dieses Thema in den kommenden Jahren unserer Freundschaft auch nie wieder an. Doch dass da zwischen uns etwas existierte, schwang immer ein bisschen mit. So glaube ich, war diese gemeinsame Zeit wichtig für uns beide. Auch wenn wir uns gegenseitig vielleicht manchmal mehr Kummer als Halt gaben, waren wir jeweils für den anderen irgendwie da. – Und so bleibt nicht nur die Erinnerung ein Teil dieser komplizierten Liebe, weit zurückliegend in der Vergangenheit, sondern vor allem der Gedanke, der mir immer wieder Mut zum Gefühl macht, wenn ich …

Tagtraum.

Ich war eingeschlafen, gegen Mittag. Ermattet vom Tatendrang, von all diesen Eindrücken, die mir auf dem alltäglichen Weg durch ein scheinbar immer wieder neues Leben begegnen. Lebenszeit die mir geschenkt wurde, nachdem solch viele Entscheidungen gefallen sind und die ich bis heute für mich und mein Leben treffen musste. Manchmal bringt es mich an meine Grenzen, zumeist jedoch positiv, denn mittlerweile kann ich diese akzeptieren, denn meine Grenzen lassen mich immer wieder neue Wege finden. Und wenn ich an manchen Tagen völligst überfordert bin, lässt mich die Zeit erlauben mich auszuruhen, mich zu sortieren und einfach mal die Seele für ein paar Augenblicke in einem leichten Schlaf am Mittag nach getaner Arbeit an einem bewegten Tag baumeln zu lassen. Und manchmal passiert es, dass ich mich in diesen Tagträumen verlaufe. Tagträume die mich verwirren und doch irgendwie beruhigend sind. Mitten in diesen schrecke ich plötzlich auf. Der Schweiß steht mir auf der Stirn. Fühle mich schwach, ausgelaugt und leer. Was ist das, was in meinen ruhenden Geist dringt? Meine erste Intuition ist meist Verwirrung. Dann …

Was bleibt …

Noch immer ist eine Erinnerung hier, an die Zeit mit dir, die schöner war, als sie heute ist und doch möcht´ ich leben, für heute und nicht im gestern. Denn gestern ist, was ich über Vergangenes erzählen kann, heute ist, was ich morgen über gestern erzähle. Ich überlege schnell, was ich morgen über gestern erzählen will, denn heute wird zu schnell gestern, wenn ich zu schnell denke und zu langsam fühle. Möchte leben für heute, nicht im gestern, neben all dieser Erinnerung an meiner Seite. Jetzt.

“Ein Augenblick an der Aumatalspeere, Weida” Fotografie: © Sascha Gawrilow Der Blick schweigend auf den See, atme ich die Ruhe ein. Friede macht sich in mir breit. Friede so glatt und in der Ruhe liegend wie die glänzend schimmernde Wasseroberfläche unter der Morgensonne. Mir wird bewusst, dort spiegelt sich mein Leben. In der vergangenen Zeit war es ruhig, sanft in seiner Bewegung und doch kann es augenblicklich Wellen schlagen, Kreise ziehen. Und das wird es, ganz bestimmt. Ich fühle mich bereit und doch lasse ich mir nicht die Ruhe des Augenblicks nehmen, zu gegebener Zeit, aus dieser heraus, die kommenden Stürme zu meistern. Vielleicht habe ich jetzt einen entspannten Landgang, doch bin bald wieder ich der Kapitän meines Bootes und werde den Kurs über die tosenden Wellen des Lebens, jenseits dieses Sommers, halten. – Der Blick schweigt, während die Gedanken in die Ferne streben.

Verlieren.

Ich verliere mich. Verliere mich in der Zeit, verliere mich im Tag, verliere mich im Leben, verliere mich in Erinnerungen. Ich irre nicht herum. Auch irre ich mich nicht. Fühle, dass ich mindestens aus Zweien bestehe und doch keinem mehr oder weniger angehöre. Verliere mich im Zweifel. Spühre jedoch, nah an meinem Herzen, wie ich immer wieder versuche zu meinem Ich zu gelangen und verliere mich weiterhin. Verliere mich in Träumen, verliere mich in Lieben, verliere mich in Hoffnungen. Ich verliere mich ständig und halte doch an dem fest, was mich hält. Halte mich ganz fest am Loslassen und falle in den nächsten Augenblick. Falle unwiderruflich in meine Zukunft und höre diese Melodie, während ich mich wieder in dieser verliere, gerade weil ich im “mich verlieren” grenzenlos zu leben scheine … “Memory is one of our greatest gifts, it gives us access to time, to identity, to dreams… Before music was such an easily traded commodity, it was often an experience to which people gave their full attention. Let’s bring that experience back. Let’s respect …

Schmetterling.

Ich lehne mich zurück an die Mauerwand des alten Fabrikgebäudes, höre die fernen Geräusche des Stadtverkehrs und fremde Menschen im Gespräch. Ich blicke auf das Stück Rasen am gegenüberliegenden Rand der Straße. Ein Schmetterling schwirrt umher. Dann zwei. Sie treffen sich, beginnen sich in der Luft mit schnellem Flügelschlag zu umkreisen. Einer den anderen. Fliegen dabei höher und höher und höher, bis sie irgendwann nicht mehr zu sehen sind inmitten des lichtüberfluteten Himmelblaus. Einfach weg. – Ich sehe mich. Mich hält hier nichts und doch bin ich fest mit meinen Fragen. Wie wäre das, so einfach weg? – Einfach so. Sofort. Gleich. Augenblicklich. – Am Besten zu zweit in geborgener Zweisamkeit. Irgendwo hin. Ganz ohne nachzudenken. Wäre dann auch alles anders? Nur weil ich woanders wäre? Wäre ich nicht auch wieder ein Fremder unter Fremden und noch immer der selbe, wenn ich dann irgendwo ankäme? Und warum ziehe ich nicht los in die Fremde, um sie mir bekannt zu machen, um zu schauen wo ich ankomme? – Ankommen wird gefolgt von losziehen. Aber ich ziehe …

Licht.

Und dann berührt mich das Licht am Morgen. Weich und zart spricht es zu mir. Spricht mit seinen sanften Farben: “Komm. Komm einfach mit mir.” während es ganz langsam meine Arme mit seinen warmen Strahlen bedeckt, auf meinem Gesicht verweilen wollend, um dann meine Augen mit Leben zu füllen. “Komm. Komm flieg´ mit mir, begleite mich irgendwo hin. Ganz egal. Komm.” Ich gehe hinaus, das Licht umhüllt mich, wird zu meinem Begleiter.

Reue.

Wenn das Schicksal ihn doch Reue empfinden ließe, brennende Reue, die das Herz zerbricht, die den Schlaf verscheucht, eine Reue, deren furchtbare Qualen einen vom Strick und vom Sturz ins Wasser träumen lassen! Oh, wie froh wäre er darüber gewesen! Qualen und Tränen sind doch auch Leben. Fjodor Michailowitsch Dostojewski Reumütig bin ich – ab und an, doch immer bezogen auf den Kontext. Betrachte ich die Reue bezogen auf mein Leben, auf mich, meine Entscheidungen und ohne das Einbeziehen anderer in meine Gedanken, kann ich klar sagen: “Nein, ich bereue nichts. Nicht eine Sekunde, nicht eine Entscheidung, nicht einen Weg, den ich eingeschlagen habe.” Sicher gibt es das ein oder andere Mal des Haderns und des Grübelns, kleine und auch große Zweifel. Doch blicke ich tief in mein Herz, lasse meine Seele sprechen, so finde ich keinen Grund zu bereuen. Ich glaube fest, dass jede Entscheidung, jeder Schritt seinen tieferen Sinn hat. Die einen nennen es Schicksal, andere glauben – woran auch immer. Auch wenn es manchmal die “falsche” Entscheidung gewesen zu sein scheint oder …

Müde Herzen.

Das Herz schlägt. Mit Tausenden schlägt es und wehrt sich gegen den Takt der anderen. Längst ist der Schritt der gleiche, der Blick, die Hektik, die Besitz ergreift von den Gedanken. Nur das Herz wehrt sich noch dagegen. Gegen das grau der Häuser, den Lärm der Autos, das kalte Licht der Neonröhren. So viele Menschen auf einem Platz, so viele Herzen nebeneinander und doch kennt keines das andere beim Namen. Im Takt der Vergessenen schlagen sie. Im Takt der Verlorenen. Man hetzt und eilt und quetscht sich durch die Straßen. Rote Ampel. Stopp. Warte. Grün. Weiter. Laufen, quetschen, schieben, drängen, eilen. Tunnelblick. In Tunneln scheinen wir zu leben. Alles einsteigen. Die Türen schließen automatisch. Keine Möglichkeit zur Flucht bis zur nächsten Station. Tunnel, Röhre, Rolltreppe, Tunnel, Sehnsucht. Oh, du liebste Sehnsucht. Der Blick ergraut und das Herz wird müde. So aussichtslos scheint der Kampf. Das Herz sehnt sich nach dem Horizont, will hinaus aus dieser immer fremden Stadt, zurück zur Menschlichkeit.

Zwischen den Zeiten.

„Vielleicht verlierst du dich dort draußen. Vielleicht verlierst du dich auch in dir. Vielleicht verlierst du. Aber du kannst ankommen. Trotz aller Irrwege wirst du ankommen. Vielleicht nicht dort, wo du hin willst, aber dort wo du hin gehörst. Du wirst ankommen… „ Es gibt wohl immer wieder diese Zeiten, in denen man seinen Balast einfach nicht los wird. In keinem Ohr, an keiner Schulter. Ihn immer weiter schleppt, standhaft bleibt und versucht Zuversicht und Verzweiflung irgendwie zu kombinieren, weil man doch in längst vergangenen Tagen die Gabe in sich fand hoffen zu können. – Hoffnung gibt außerordentlich viel Kraft. – Und mit Hoffnung lässt sich mancher Balast so lange (er)tragen bis dieser doch tatsächlich Beine bekommt und sich ganz von selbst verflüchtigt. Und neben all dieser gewonnen Hoffnung beruhigt es mich umso mehr, dass es der Rest der Welt scheinbar auch nicht leichter hat, mit dem was man darstellt und mit dem was man eben fühlt kombinieren zu müssen. Vielleicht gebe ich mich damit zufrieden, dass ich mich selbst nur verstehen kann, wenn ich …