Monate: Juni 2014

Nachts wachsen.

Mitten in der Nacht liege ich dort unten auf dem Boden. Nicht im Bett. Daneben, wie Tod vor Angst. Ich habe Angst davor, es eines Tages nicht mehr zu haben. Vielleicht im nächsten Augenblick, vielleicht morgen, vielleicht doch erst in Jahrzehnten. Den Herzschlag, den Atem, die Gefühle, die Liebe, die Freuden und die Traurigkeiten. Von jetzt auf dann, das Leben von meiner Seite weicht. Ich sehne mich augenblicklich nach jener zauberhaften desillusionierenden Assoziation die da des öfteren in meinem Geiste umherschwebt, um mich zu beruhigen und mein aufgebrachtes Gemüt in Stille zu wiegen. Nach jener Assoziation, die sich oftmals ziemlich heimisch fühlt in meinem Kopf, sie dort ihre Kreise zieht, keinen Halt findend und versucht sich in dieser Gegenwart zu realisieren. Versucht ein Teil dieser wahren Welt zu werden. Ein Mittelpunkt von dem alle Türen abgehen. Der rote Faden, der die Themen verknüpft. Das Ende, auf welches ich treffe, wenn ich dreimal um die Ecke denke, krumm und schief und scheinbar sinnlos Türen eintrete und Themen durcheinander werfe. Sie ist meine Lieblingsassoziation ohne Namen. Sie …

Sonntagsmusik.

Es ist taghell, wenngleich die Schatten der Nacht noch immer ihre Kreise ziehen. Kreisen. Tanzen. Nah und doch so fern. Kaum greifbar und doch spürbar. Sie tanzen im Regen, der sanft vom Himmel fällt. Fällt. Rinnt. Tropft. Bestimmt schlägt er gegen das Fenster. Schlägt. Klopft. Tropft. Unzählige Tropfen. Tränen gleich. Schön wie Perlen. Einzigartig und facettenreich. Kein Ton, ein Klang, Musik. Tropfen um Tropfen. Schlagen und klopfen. Gelenkt vom Wind, tanzen sie ihren letzten Tanz. Geführt, berührt, gespürt. Tropfen um Tropfen. Schlagen und klopfen. Sie fallen und rinnen. Gejagt und getrieben. Fließen, um zu ertrinken. Entstanden, um zu schwinden. Tropfen um Tropfen. Schlagen und klopfen. Ich ertrinke, ohne zu ertrinken. Ertrinke zwischen dem Hier und Dort, dem Bin und War, dem Wünschen und dem Wissen. Ertrinke in mir. Ertrinke im Klang. Ertrinke in Musik. Tropfen um Tropfen. Sonntagsmusik.

Afterhour.

Erst wenn die Bar geschlossen wird, der Pegel der Musik verstummt und den Raum in Ruhe hüllen lässt, die Discokugeln und das zuckende Licht der flackernden Strobo aufgehört haben künstliche Illusionen von Ungezwungenheit und Lebensfreude zu erzeugen, die Geschäftsphilosophien der Clubbetreiber aufging und die Nacht sich hinter langen Schatten versteckt, dann beginnt der wahre Tanz, der Tanz der Freiheit im Rhytmus des Seins auf der Tanzfläche des Lebens, immer nach neuen unbekannten Melodien schwingend und tänzelnd im hellen Licht des Tages und ganz nach den Klängen des lebendigen Alltags, immer weiter hinein.

Zeit sich zu regen.

Es fließt langsam, aber stetig. Ich spüre die kühlen Tropfen auf meinem Kopf, im Nacken, wie sie langsam ihren Weg an meinem Rücken hinunter finden. Es tut gut. Es kitzelt. Stetig. Ich sollte gehen. Aber irgendwas hält mich. Was es ist, kann ich nicht sagen. Es tut gut im Regen zu stehen, allein. Nur an die Tropfen zu denken. Sie sind einfach da und wissen es nichtmal. Ich blicke auf meine Schuhe, wie sie immer dunkler werden, das Wasser aufsaugen. Es fröstelt mir leicht, doch das nehme ich nicht wirklich wahr. Das sanfte, monotone Prasseln auf meinen Kopf ist neben den kühlenden Tropfen auf meinem Körper alles was in diesem Augenblick zählt. Der Augenblick des Regens. Ich denke darüber nach, woher der Regen kommt, was er alles auf seiner Reise zu mir erlebt hat. Doch zählt das? Ist nicht nur wichtig, dass er da ist? Langsam blicke ich auf eine Scheibe, an der die Tropfen abperlen und sich zu kleinen Rinnsalen bilden, die ineinanderfliessen und sich in kleinen Verästelungen wieder trennen. Jedes Rinnsal ist einzigartig …

Mut.

Und manchmal verfolgt man irrsinnig viele Ziele, glaubt auch, den Faden in der Hand zu halten. Es ist, wie oberflächlich erfüllt und doch fühlt sich alles leer an. Das innen drinnen, das außen herum und die nasskalten Handflächen. Die Fragen, die einmal etwas bedeuteten, werden ungültig und tauschen sich aus, um sich neu formulieren zu können. Ich brauche mich nicht fragen was fehlt. Ich weiß es! – Doch ich werde mir diese Antwort nicht geben. Ich habe Angst davor, mir eingestehen zu müssen, dass ich wirklich Angst habe und diese mich feige werden lässt. Ich will etwas bedeuten, jedoch gerade an Orten vor denen ich diese zweifelhafte Angst habe. An Orten, die sich jenseits des Antlitz´ der Menschen, fernab täuschender Mienen befindet, die dem Auge verborgen sind und die ich dennoch erreichen möchte. Tief innen drinnen. Und ich sitze hier und denke: Es wird wohl Zeit, die Angst zu besiegen, ehe ich daran zu Grunde gehe. Bevor ich es jemals nochmal versucht habe zu fühlen: dieses Gefühl, welches sich im Duden unter dem Begriff “Liebe” …

Nichts Halbes und nichts Ganzes.

Ich habe dich lieb, ich würde dir ohne Bedenken eine Kachel aus meinem Ofen schenken… Wann ist „Hab dich lieb“ mehr als nur das? Wann ist „Ich liebe dich“ nur noch ein „Ich habe dich lieb“? Wann ist das alles nicht mehr das, was die Wörter im Grunde aus zusagen vermögen? Wann ist ein Wort ein Gefühl, wann ein Gefühl nur noch ein Wort? Gefühle, Wörter, Wörter, Gefühle und immer wieder der Wunsch, das was man fühlt auszudrücken, es nicht ausdrücken zu können, unsere Last. Wie Atlas stehe ich da, trage meine schweren Gedanken, sehe dich an, wünschte, dass du das fühlst, was ich fühle, was eigentlich so falsch, und doch so richtig ist. Kann etwas falsch und richtig zugleich sein? Unerhörte Frage, irrational, nicht der Rede wert. Es kann nicht und wirkt doch so real, so wirklich, so echt, so einzigartig. Du hast einen Freund, doch bist du es, die hier die Grenzen überschritten hat. Nicht ich. Warum? Weil es für dich genauso schwer ist, zu sagen, wann es nicht mehr „Ich hab dich …

Mohnblumen.

Ich habe einmal (und folgend des öfteren) die Erfahrung gemacht, dass ich nur durch die Schönheit des Augenblicks berührt wurde. Der Auftakt des primären Kontrollverlusts meiner Gefühle und Tränendrüsen erwischte mich damals in einem blühenden Mohnblumenfeld. Im ersten Augenblick fühlte es sich ziemlich verweichlicht an und war mir mehr als fremd. Als mir in diesem Moment bewusst wurde, dass ich nach jahrelanger Sinnsuche mein “Ich” gefunden hatte und es auch akzeptierten konnte, wurde mir zudem auch klar, dass das “Große” nicht wirklich weit weg in der unerreichbaren Ferne liegt, sondern tagtäglich direkt vor meinen Füßen, vor meinen Augen, ganz egal wo ich mich gerade bewege oder gehe. In jeder Minute weiß ich, das mein Leben etwas besonderes ist, selbst wenn ich es gerade in manchem Fluch ertränken mag. – Und was das Weinen betrifft: Ich versuche noch immer zu kontrollieren, ob mir niemand dabei zuschaut. Doch hin und wieder kommt es eben vor, dass ich nicht anders kann, als einfach nur loszulassen und den Dingen ihren freien Lauf zu lassen. Stark ist letztendlich auch nur …

Wenn ich Sänger einer rotzigen Ska-Punk-Band wäre, würde ich Euch die ganze Scheiße, ohne Punkt und Komma, an den Kopf schmeißen, die in meinem Geiste stinkt. Aber da ich nur einer dieser hemmungsvollen Wortfinder bin, der mit einer gewissen harmonischen Vorsicht versucht persönliche und gesellschaftliche Unausgeglichenheiten konstruktiv zu deuten, ersparen wir uns an dieser Stelle das Stuhlgangvokabular.

Wir sind Liebe.

Ich schreibe über Liebe, ich rede über Liebe, ich gebe Liebe, ich empfange Liebe, ich sehne mich nach Liebe und ich habe Liebe. Doch diese Liebe, in der man jemanden vermisst, sich um den anderen sorgt, einander verzeiht, miteinander teilt, sich beschützt und Tag für Tag näher zusammen rückt, diese ist Sehnsucht, die ich verspüre, wenn ich alleine im Regen steh und die Wolken berühre. Aber ich bin nicht einsam, auch nicht allein, es ist auch keine traurige Sehnsucht ohne Ziel, eher ist es eine Kraft die Hoffnung gibt und den Antrieb immer auf’s neue das Herz zu öffnen und empfänglich zu sein für das „Wir“. Denn „Wir“ können Liebe sein, wenn wir sie in ihrer ganzen Vielfalt und Größe zulassen. Und ich stehe hier, strecke mich zu den Wolken empor, hoffend dass sie mich bewegen und mitnehmen zu diesem „Dir“, „Wir“, „Uns“. Berühre mit meiner Philosophie der Liebe das rosarote Himmelszelt, während die Erkenntnisse an meinen Wangen abperlen. Aber gerade weil ich es fühlen kann, weil ich hoffe und weil ich sie spüre, diese …

Unbezahlbar.

Wenn ich mich an manchen Orten immer weiter durch mein Leben bewege, fühle ich diese ständige Reise ins Unbekannte. Dieses Gefühl bäumt sich in mir auf, ganz plötzlich, in diesen nicht ganz alltäglichen Begebenheiten, eher zu Zeiten in denen ich die kleinen Trampelpfade des Lebens begehe. Es beraubt mich zwar augenblicklich und mehr als überraschend meiner Stärke alles im Griff zu haben und mich koordinieren zu können, jedoch macht es mich nicht hilflos. Vielmehr lässt es mich meine Kontrolle loslassen, die eigenen Mauern durchbrechen und meine Sinne erwecken. Ich fühle mich gut in dieser Ungewißheit, in der ich weder weiß, warum mir gerade in diesem Augenblick so geschieht, noch warum ich singen, tanzen und springen möchte. Manchmal sind mir nur ein paar Momente geschenkt, die mich so endlos fern der Gegenwart, ganz nah am reizvollen Ungewissen und vor allem so nah bei meinem Ich stehen lassen. Diese Momente an diesen raren Orten, an denen ich die Stimme meines Herzens verstehe und die Kraft meiner Seele spüre sind das unbezahlbarste was mir allein nur das Dasein …