Monate: März 2014

Ein Moment des Versprechens.

Sie entstehen aus dem Nichts, diese Momente die ich immer wieder versuche zu greifen, obwohl sie an mir vorbeiziehen und ich mir eigentlich bewusst werden müsste, dass ich sie so nie erreichen kann. Ich kann sie nie erreichen, wenn ich blind in der Welt stehe. Wenn ich keine Menschen sondern nur graue Schatten sehe und nie werde ich sie begreifen, wenn ich immer wieder achtlos an ihnen vorüber gehe. Es sind immer wieder gerade die kleinen Dinge im Leben, die mir gerne so schnell aus den Händen gleiten. Sie verstecken sich gerne in Muscheln, in denen man das Meer rauschen hört, aber auch im Lachen eines liebevollen Menschen. Doch ich werde sie nie finden, wenn ich nicht zuhöre und auf sie eingehe. In der Kürze steckt die Würze, doch die Liebe steckt im Detail. Eine einzige Träne kann eine ganze Flut von Gefühlen in Bewegung setzen, die mich mitreißen oder überrollen kann. Trotz jeglichem Verlangen nach Individualität kann ich allzu schnell im Menschenmeer unter gehen, im Versuch gegen den Strom schwimmen zu wollen. Ich werde …

Musik.

Es gibt Dinge, die lassen sich scheinbar nicht in Worte fassen. Scheinbar unaussprechlich. Scheinbar unsagbar. Scheinbar! Denn es gibt sie – die Musik. Musik, die es schafft, diese vermeintlich unaussprechbaren Dinge in Form von Noten und treffenden Lyrics widerzuspiegeln. Musik, die sich auf mein Ohr legt, um mich zu schützen. Musik, die sich mit feinster Melodik, elektrisierenden Vocals und getrieben vom sanften, rhythmischen Bass durch meine Adern bis ins Herz drückt. Musik, die sich ihren Weg durch alle Sinne bahnt. Musik, die vermeintlich Gedanken lesen kann, diese entknotet, wenngleich sie weder Anfang noch Ende kennt. Musik, die in mir das natürliche Bedürfnis erweckt, meine Arme gen Himmel zu strecken, mich heiser zu schreien und zugleich in ihr schweigend – sprachlos – zu versinken. Musik, die mich trägt und mich zugleich fallen lässt. Musik, die schmerzt, ohne zu verletzen. Musik, die tröstet, ohne zu heilen. Musik, die mich in diesen Momenten so paralysiert, dass ich den Himmel auf Erden spüre! Wahrhaft!

Portrait: Julia Benz

Berlin zieht Kreative aus aller Welt an, doch kaum jemand spricht über die Tiefpunkte und Selbstzweifel der Künstler. Die Malerin Julia Benz will mit einer Doku zeigen, wie hart der Weg zum Kunstwerk ist. Im Zentrum der Kurzdoku “Everything Amazing – Nobody Happy” stehen die wenigen Wochen vor einer Vernissage im Urban Spree. Vor allem die Momente, in denen nicht alles glatt läuft, in denen die Selbstzweifel Überhand nehmen wurden mit der Kamera begleitet und zeigen so ein intensives Porträt des Schaffensprozesses von Julia Benz. Gerade im kreativen Spannungsfeld Berlin herrscht ein immenser Druck auf junge Künstler, doch nur selten wird der rote Vorhang zur Seite geschoben und ein genauer Blick auf den kreativen Schaffensprozess geworfen, zu dem Frustration und Kampf unweigerlich dazugehören. Dieser Film soll diesen ominösen Deckmantel lüften. Dabei geht es darum, dass nicht immer alles glatt läuft, sondern um die Momente zwischen dem Beginn und dem Ende der fertigen Arbeit. Es geht um die Momente die mitten im Prozess hervor kommen, wenn die Selbstzweifel kommen, die nunmal zum Dasein eines Künstlers gehören. …

Weil du lebst.

Sternenklare Nacht. Mondschein. Dunkle Gassen. Menschenleere Straßen. Die Stadt scheint verlassen. Es sind kaum noch Lichter zu sehen, die von Leben erzählen. Und könnte ich wählen, dann würde ich wegrennen, gehen – doch du bist hier! Auf dem Asphalt bewegen sich Schatten, die tanzen und lachen und was sie auch tun, es ist, als wollten sie dich fassen; dich umhüllen mit schwarzen Tränen und ihre Geschichte erzählen, dein Herz mit Vergangenheit füllen, es mit Erinnerung quälen. Du versuchst dich neu aufzurichten, neu zu orientieren. Du willst stark sein und stehen, die Gewalt nicht verlieren. Niemals Schwäche zeigen, aufgeben – nichts dergleichen riskieren. Doch was immer du tust, es bleibt die Angst tief in dir. Dein Herz ist kraftlos geworden, nur ein leiser Akkord, du stehst barfuß an diesem Ort und wünschst dich nur fort. Weg von diesen Schatten, `raus aus der Stadt, aus der Nacht, weg von dem, was uns geschaffen hat; bist müde und matt. Die Schatten kommen immer näher und singen ein Lied und dieses klingt unendlich nah, als ob es deine Seele …

Sonntage.

Gerade an Sonntagen begreife ich, dass ich mit meinem Fahrrad nicht weit genug fahren kann um den Menschen auszuweichen. Gerade an Sonntagen begreife ich, dass ich, wenn ich vor mir selbst weglaufen will, die Nähe der Menschen suchen und nicht umgehen muss. Begreife, dass ich meine Ziele weniger mit überschäumenden Enthusiasmus, als viel mehr mit Geduld, Vertrauen und vor allem einem klaren Kopf erreichen kann. Ja, an Sonntagen, wie diesen, werden diese Feststellungen Woche für Woche besiegelt. Ich mache sie fest, zwischen Sehnsucht und Hoffnung. Ohne Sonntage wäre ich wohl an jedem Montag wiederholt der gleiche wie Freitags.

Ein Versprechen.

Wenn ich mir selbst etwas versprechen will, dann verspreche ich mir eines: Ich verspreche mir, dass alles was ich denke, alles was ich fühle, alles was ich gebe, einfach alles tief aus meinem Herzen kommt. Dass ich denke was ich fühle, dass ich fühle was ich denke, das ich lebe was ich will, dass ich will was ich lebe… Ich nehme mir Zeit, nimm mir einfach einmal die Zeit… Ich nehme sie mir, denn sie gehört mir… Ich gehe zu meinen Lieblingsplätzen in den nahen Wäldern, alleine. Setze mich hin, alleine. Denke nach, alleine. Frage mich diese kleinen großen Fragen. – Ist alles so in Ordnung wie es ist? – Bin ich unzufrieden? Mit mir? Mit anderen? – Dann stehe ich auf und gehe etwas. Ein kleiner Spaziergang. Ein Ausflug? Ein Ausflug zu einer neuen Einstellung? Einer anderen? Laufe einfach weiter, erstmal ohne ein direktes Ziel. Laufe, laufe und denke weiter nach. Welchen Weg gehe ich? Welchen werde ich gehen? Welchen sollte ich gehen? Ich nehme mir Zeit. Wie ist mein weg bisher geebnet? Bergauf? …

Der Freund hört genau hin, was mich im Innersten bewegt. Er hört sich in mich hinein, um zu entdecken, was die Grundmelodie meines Lebens ist, er nimmt wahr, wo und wie mein Leben zum Schwingen und Tönen kommt. Er spiegelt mich und erinnert mich an das, was ich im Tiefsten bin. Seine Aufgabe ist also mehr, als mich nur zu verstehen und mehr als nur bei mir zu stehen. Er nimmt vielmehr die Melodie meines Herzens in sich hinein, um sie dann wieder neu zum Klingen zu bringen, wenn sie in mir verstummt ist. (Ein Brief von) Anselm Grün

Jeden Sonntag.

Du holst mich ein. Immer, wenn ich zu müde bin, weiter zu laufen. Immer wieder gibt es diese Momente, in denen sich dein Bild in meinen Kopf schiebt, egal, wo ich bin und was ich tue. Die Welt um mich herum fällt in eine schwere Zeitlupe und vor meinem inneren Auge ist nur noch dein Gesicht. Nicht du, sondern ein Abbild, statisch und leblos. Ich wehre mich und versuche, das Bild zur Seite zu schieben. Es bleibt ein schwarzer Hintergrund. Ein schwarzes Nichts. Es ist beeindruckend, wie sehr mein Herz zu dir möchte. Irgendeine endlos verästelte Assoziation scheint immer zu dir zu führen. Mein Kopf war dir gegenüber schon lange skeptisch, aber er gab dem Herzen immer wieder seinen Willen. Ein Aufleuchten wie der Stich einer Nadel, der durch den gesamten Körper fährt und die Wunde jedes mal wieder aufreißt.Ich werde besser darin, das Herz in die Irre zu führen und dem Stich davonzulaufen. Doch Sonntags bin ich dafür zu müde. So lange bin ich dir hinterher gerannt. All die dunklen Straßen hinunter, von der …