Jahr: 2014

Not the same procedure.

Wenn man immer darüber spricht, das vergangene Jahr noch einmal rückblickend, so kurz vor dem Jahreswechsel, zu betrachten, klingt es doch immer wieder sehr vergänglich. Wie etwas unwirkliches, ganz anders als dieses Gefühl welches sich in jener vergangenen Gegenwart, in der man mittendrin stand, so nahe anfühlte und heute so fern erscheint und droht sich im Kopf in Vergessenheit aufzulösen. Doch: „Das Jahresende ist kein Ende und kein Anfang, sondern ein Weiterleben mit der Weisheit, die uns die Erfahrung gelehrt hat.“ Denn wir vergessen ja nicht wirklich. Uns kommt dies nur so vor, weil wir uns immer genau an das zurück erinnern wollen, was wir wirklich nicht mehr wissen, weil es nunmal scheinbar keine tiefere Bewandtnis für unser Leben hatte. Das was uns wirklich bewegt finden wir eine Ettage tiefer in unserer Brust, in unserem Herzen. Denn wer auf sein Herz hören kann braucht sich nicht mehr nur auf seinen Kopf verlassen um zu erkennen, dass rein gar nichts vergänglich ist, weil alles was uns geschieht uns zu diesem Menschen formt den wir im Jetzt …

Rhön: Winterland.

Alle Jahre wieder zieht es mich zurück in diese Gegend inmitten der Täler und Berge. Sie erinnern mich an Teile meiner Geschichte, meiner Erinnerungen, meinem Leben. Sie lassen mich spüren, dass ich Wurzeln habe. Wurzeln die mich halten, auch entfernt meiner Herkunft auf der Reise irgendwo zwischen all diesen Wegverzweigungen ferner dem Hier und Jetzt. „Winterland (Rhön, Thüringen)“ Fotografie © 12/2014 by Sascha Gawrilow / Herr Sushi™ Noch bin ich suchend, experimentell in den Dingen die ich tue, ausprobierend in meinen Zielsetzungen und doch von dem überzeugt was ich erreichen will, überzeugt von meinen bisherigen persönlichen Meisterwerken, überzeugt von der Liebe die mich streben lässt. Alle Jahre wieder reise ich zurück in eine Heimat, die es mir erlaubt ins Bewusstsein zurück zu holen und zu erkennen, welcher Weg hinter mir liegt, an welchen Orten mein Herz sein Rhythmus fand und das weitaus mehr als Stillstand und Kreise mein Leben beherschen. Nord – Süd. Ost – West. Strebend. Richtungssuchend. Zielorientiert. Ziele verlierend. Planlos. – Und doch immer wieder irgendwo ankommend. Versuchend mir selbst ein richtungsweisendes Vorbild …

Paroli.

Dort sitze ich dann, mit ziemlich hoher Wahrscheinlichkeit, in ein paar Monaten, dort im Irgendwo, im Irgendwann und werde zum wiederholten Male so ganz im Stillen zu mir sagen: „Genau das ist es, was ich damals wissen wollte. Dies ist die Lösung, welche ich von mir hören wollte. Genau diese!“ … Dies könnte ich sagen, wenn eben in einem dieser Augenblicke gewisse Idealzustände zwischen meinen Synapsen herschen würden. – Doch solche Erleuchtungen geschehen häufig eben nicht sofort im Ausgang eines gegenwärtig zu vertretetenden Standpunktes, sondern in jenem, noch heute unbekannten Augenblick in diesem Irgendwann. Denn es ist verflixt, da die meisten, ganz vielleicht entscheidensten Antworten erst im Nachhinein aus der geistigen Umnachtung ans Licht treten. Nämlich dann, wenn ich eigentlich gar nicht mehr weiß, wie die Frage gelautet hätte, hätte ich sie mir oder meinem Gegenüber stellen können, in diesem Augenblick der unabwendbaren Wichtigkeit der Beantwortung jener Fragestellung. – Und eben genau im Hier und Jetzt habe ich wieder, oder immer noch, hundert Fragen antwortlos parat und weiß doch schon jetzt, dass es keine treffendere …

Das fliegende Haus und die friedliche Seele des alten Mannes.

EIN KLEINES MODERNES WEIHNACHTSMÄRCHEN Es war einmal ein Haus, in dem lebte vor vielen Jahren für sehr lange Zeit ein Mann. Der Mann suchte zu seinen Lebzeiten immer wieder die sagenumwobene große Freiheit. Wie alle Menschen strebte er diese rätselhafte, weite Grenzenlosigkeit an. Doch niemals und nirgendwo fand er sie. Immer wieder verlor er sich in den Weiten des Horizonts … Wenn er dann zurück kehrte in sein Haus, erzählte er den Wänden oft in der Stille von seinen Gedanken, Gefühlen und Träumen. Manchmal kullerten ihm dicke Tränen über die Wangen und fielen auf den Holzfußboden unter seinen Sohlen. Das Haus hörte ihm zu. Doch es konnte ihm nicht helfen. Nur den Schutz und die Gewissheit bieten ein Stück Heimat zu haben, an die er immer zurück kehren kann, um sich ausruhen zu können von der langen Suche nach der fernen und fremden Freiheit. Alle Menschen um den Mann herum strebten haltlos und ihre Sehnsüchte schienen endlos. Der Mann war mit den Jahren schwach geworden, doch in all der Zeit fand er dennoch das Größte …

Staub.

TEXT VON NINA KRAVITZ „Inspiration is only connected to the core, to the true and very raw essence.“ Vor ein paar Tagen fand ich einige alte Briefe. Ein junger Mann und eine Frau, die sich ihre Gefühle füreinander austauschten. Ein unschuldiger, natürlicher Gefühlsschwall, der sorgfälltig zu Papier gebracht wurde. Es ist offensichtlich, dass sich diese beiden erst ganz am Anfang ihrer Geschichte befinden. Ihre Herzen sind weit geöffnet und zerbrechlich. Alles ist unbekannt. Sie sind neugierig, aber nicht ängstlich. Alles fließt leicht dahin und es gibt keinen Druck. Die Dinge passieren einfach, ungezwungen, weil es sich richtig anfühlt. Ohne viel übereinander zu wissen, fühlen sie, dass da noch etwas Großes kommen wird. Die Reinheit ist befreiend. Freiheit inspiriert und setzt zugleich Energie frei. Nackte Haut und keine Erwartungen. Mehr Taten als Gedanken. Die Zeit ist jetzt und alles, was man tun muss, ist den Dingen ihren Lauf zu lassen. Aufbruchstimmung. Ich wurde sehr sentimental. Was für ein drastischer Wandel ist seitdem passiert. Wahrscheinlich geschieht das vielen von uns im Laufe der Zeit. Wie können Dinge …

Erwartend im Warten.

Leben – Etwas so wunderbares und vor allem einzigartiges. Aber Du sitzt einfach nur da. Du denkst nach und tust nichts, gar nichts. Wenn Du vieler solcher Tage hast, denkst Du dein Leben ist absolut frei von jeglichem Sinn. Du denkst, Du hast versagt. “Die Anderen”, die haben so viel zu tun. Die machen etwas. Die haben etwas. Sie haben das, was Du nicht hast, denkst Du. “Die Anderen” sind es, warum Du denkst, dass Du versagt hast. Du vergleichst, immer wieder, immer weiter vertiefend. Sitzt da, verschwendest deine Zeit. Bist erwartend im Warten. Foto © 06 / 2012 by Sascha Gawrilow Du bemerkst, dass Du etwas nicht hast. Das nicht hast, was der andere zum Leben braucht. Was ihn glücklich macht. Du dagegen hast es nicht. Du denkst, dass ist der Grund, warum Du nicht glücklich bist, nie glücklich sein kannst. Du willst es auch haben, doch bekommst es nicht. Nein, Du hast es nicht. Vielleicht, denkst Du, bekommst Du es nie, niemals und wirst ewig auf der Suche sein, dein Leben lang. Du …

Couleur.

An manchen Tagen, da tut es verdammt gut, dieses Fühlen ohne zu denken. Man fliegt, ist losgelöst und wie unsterblich. An manchen Tagen, da tut es verdammt weh, dieses Denken ohne zu fühlen. Man lebt, atmet, und dennoch ist man schon wie gestorben.

Wie das Leben so spielt.

Meine Hände begannen zu zittern, meine Knie wollten versagen und mich zu Boden sacken lassen. Für einen kurzen Moment wollte ich alles aufgeben und es nicht wahr haben, was gerade um mich herum passiert. Wollte davon rennen, als hätte ich eine Wahl der Wahrheit zu entrinnen, als könne ich davor weglaufen. Liebend gern hätte ich mich wie früher als kleines Kind hinter jemanden gestellt, der mich schützen könne, der mir das ersparte, was man heute bittere Wahrheit nennt. Liebend gern, wäre ich noch ein Kind, als das Schlimmste für mich ein Fall vom Fahrrad war. Als meine Eltern die größten Helden waren und mit einem Pflaster alles wieder in Ordnung brachten. Doch je älter man wird, umso mehr sieht man, dass es schlimmeres gibt, als dieser kleine Fall. Man merkt, dass es Dinge gibt, die sich nicht einfach mit einem Pflaster kurieren lassen. Vor diesen Dingen versucht man vergebens zu entkommen, denn obwohl du es leugnen willst, weißt du, dass sie passieren werden. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl jemanden gehen lassen zu müssen, jemanden nicht …

Sprachlos.

Die schnelle Welt drängt uns oftmals dazu die tiefere Bedeutung eines Augenblicks zu vergessen. Und wenn es die Zeit einmal zulässt, zu verweilen, drängt sich plötzlich ein “Müssen” zwischen den Moment und die Ruhe. Und gerade uns Menschen ist doch die Gabe gegeben mit dem Herzen sehen zu können, auf die Stimme unserer Seele zu hören und die Schönheit in der Langsamkeit zu entdecken. Und doch finden wir selten Halt am Ufer dieser Kostbarkeiten. Treiben immer wieder hinaus in den Strom des hektischen Rennens, stetigen Strebens und immer wieder dem Hinterfragen, nach der Richtigkeit unseres Handeln und Tuns. Aber genau dieser Kontrast ist die Zutat, die für die Wirkung ganz tief in unserem Innersten relevant ist, um einmal, vielleicht nur für ein paar Stunden, auszusteigen. Zu verzichten an der Teilnahme in diesem Chaossystem, um mit einem hellen erfreuten Blick dahinter zu schauen, hinter jene Stadtgrenzen, die diese unzähligen grauen Alltagsmaskeraden einmauern. Um diese Zeit zu finden, die sich in Freiheit hüllt. In dieser Art von Freiheit aufzugehen, in der Lebensfreude blühen kann – farbenprächtig tief …

Differenzen.

Geradlinige Differenzen schieben sich durch die Bilder hinter meinem Atem und verschwimmen zu einem Klang der Weite. Einen Klang ohne Anfang, ohne Ende. Spalten und Lücken bilden sich zu ineinander greifenden Zwischenräumen, polarisierend rufen sie nach klaren Worten, um mit ihnen gefüllt zu werden. Monochrome Momente drängen danach mit farbenprächtigen Lichtern zu verschmelzen. Kluften, Gräben, Spalten. Alles schreit nach Brücken. Brücken zwischen dem “könnte” und dem “ist”. Meine Hand greift nach oben, weit hinein in das Firmament, durch welches bedächtig, ganz ankerlos, nur vom Wind gelenkt, die Leichtigkeit ihre Bahnen zieht. So atme ich noch einmal tief ein und lasse mich hinein fallen, in diesen Klang der Weite in meinem Ohr, und schwimme hinüber zum UIfer und beginne dort meine Brücken zu bauen. Denn es “Könnte” sein, dass es schon “ist”, jenseits jeglicher Differenz.